| 11:33 Uhr

Der umstrittene Test

Am sogenannten Nordpier, einem Seitenflügel des BER soll der Testbetrieb am 1. Juli 2014 gestartet werden
Am sogenannten Nordpier, einem Seitenflügel des BER soll der Testbetrieb am 1. Juli 2014 gestartet werden FOTO: Jan Siegel (LR-MOB-RED-310)
Hartmut Mehdorn hat sich nach seiner Berufung zum BER-Chef relativ früh für einen Testbetrieb am künftigen Hauptstadtflughafen ausgesprochen. Jetzt will er ihn am 1. Juli starten. Der Plan ist heftig umstritten. Der Aufsichtsrat zierte sich bisher, grünes Licht dafür zu geben. Es gibt gute Argumente für den Test, aber auch gute Gründe, ihn abzulehnen. Jan Siegel

Pro


Test der technischen Systeme

Hartmut Mehdorns Hauptargument für einen Probebetrieb ist der Testbetrieb für die zahlreichen technischen Systeme des Flughafens. Sie müssen reibungslos ineinandergreifen, wenn der Airport funktionieren soll. Dabei geht es vor allem um das Zusammenspiel auch der Software von Flughafen, Zoll, Bundespolizei, Rettungsdiensten etc. Mehdorn weiß, dass es dabei unzählige Fehlerquellen gibt.

Erfahrungen sammeln für die komplette Fertigstellung

Um die teilweise gravierenden Mängel am BER zu beseitigen, gehen die BER-Krisenmanager derzeit schrittweise vor. Sie definieren einen Abschnitt und sanieren ihn. Die Erfahrungen, die sie dabei sammeln, wollen sie dann auf die anderen Abschnitte übertragen. Auf diese Weise sollen dieselben Fehler nicht zweimal gemacht werden. Gleichzeitig könnte sich die Sanierung dann beschleunigen.

Nutzung vorhandener Kapazitäten zur Entlastung von Tegel

Der Flughafen Tegel hat seine Kapazitätsgrenze erreicht. Dort können nicht mehr Flugzeuge starten und landen als bisher. Um das steigende Passagieraufkommen zu bewältigen, können nur noch größere Flugzeuge eingesetzt werden. Mit dem Test in Schönefeld könnte Tegel eventuell entlastet werden.

Kurzer Weg zur Südbahn, während die Nordbahn saniert wird

Die alte Start- und Landebahn in Schönefeld muss saniert werden. Daran führt kein Weg vorbei. Das soll im Jahr 2014 passieren. In dieser Zeit wird die neue Südbahn des BER genutzt. Der Weg für die Flugzeuge von Schönefeld (alt) auf die Südbahn ist relativ weit. Die knapp kalkulierenden Fluggesellschaften verlieren damit Zeit und Geld. Flugzeuge, die am neuen BER abgefertigt würden, hätten relativ kurze Wege zur neuen Südbahn.

Contra


Zusätzliche Kosten von 5,5 bis sieben Millionen Euro

Der Nordflügel des neuen Hauptstadtflughafens, das Nordpier, ist letztlich, genau wie der Südflügel, nur als eine Art Wartehalle mit Verkaufseinrichtungen konzipiert. Für eine Abfertigung dort müssen Sicherheitsschleusen mit Ganzkörperscannern und eine funktionierende Gepäckabfertigung mit zahlreichen Bändern eingebaut werden. Es ist vorgesehen, Wände zu durchbrechen und auch zwei Fenster zu entfernen.

Zusätzliche Bau- und Planungskapazitäten für den Umbau des Nordpiers

Der Umbau des Nordpiers bindet Bau- und Planungskapazitäten, die zur Gesamtfertigstellung des BER genutzt werden könnten. Für den Test am Nordpier ist ein zusätzliches Genehmigungsverfahren notwendig. Dabei sind die Anträge nur ein Teil. Letztlich müssen aufwendige Tests und technische Abnahmen erfolgen.

Schaffung von Dreifach-Strukturen für Tegel, Schönefeld, BER

Für den Test muss die Flughafengesellschaft neben Tegel und Schönefeld (alt) eine dritte funktionierende Logistik aufbauen. Da sind beispielsweise auch die Bundespolizei, der Zoll und die Rettungsdienste gefordert, die dann zeitweilig nicht nur zwei, sondern sogar drei Berliner Flughäfen bedienen müssen. Die zusätzlichen Kosten dafür sind unbekannt.

Einrichtung einer zusätzlichen Transportlogistik (Busse) zum BER

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird es während des Testbetriebs am Nordpier noch keine Bahnanbindung geben. Die Inbetriebnahme des BER-Bahnhofes lohnt sich aus heutiger Sicht für die Bahn bei so wenigen Passagieren nicht. Daher muss eine Bus-Logistik von Schönefeld (alt) oder auch von Tegel aus zum BER aufgebaut werden.