Eitle und hinterlistige Unions-Ministerpräsidenten und Parteifreunde legten ihr unentwegt Steine in den Weg. Trotzdem ist Merkel nach hartem Kampf im Bundeskanzleramt angekommen. "Für Frauen fehlen die eingeübten Rollenmuster, und das wiederum gibt mir gewisse Gestaltungsfreiheiten", beschreibt die Bundeskanzlerin etwas verklausuliert den Vorteil gegenüber Männern im Wettbewerb um Pöstchen und Einfluss. Frauen sitzen vielleicht auch deshalb schon längst nicht mehr nur in den Vorzimmern der männlichen Macht. Mächtig, erfolgreich, weiblich, das ist der gegenwärtige Trend. Mit Ausnahme der Wirtschaft.

Frauen als Meinungsmacher
Als Merkel im vergangenen November vom Bundestag zur ersten Kanzlerin gewählt wurde, saßen die einflussreichen Frauen der Republik auf der Zuschauertribüne und verteilten selbst gebackene Plätzchen - die Verlegerin Friede Springer und die TV-Talkerin Sabine Christiansen waren dabei und kicherten. Weiblicher Spaß muss sein. Von Merkel weiß man, dass sie sich ein Clübchen dieser erfolgreichen Damen unterhält, mit denen sie sich gerne berät. Denn viele Frauen sitzen inzwischen an den Schaltstellen der Macht und der Meinungsmacht: Friede Springer und Bertelsmann-Chefin Liz Mohn, Christiansen, Maybrit Illner und Sandra Maischberger. Ulla Schmidt und Ursula von der Leyen geben in der Politik den Ton vor.
Dass mittlerweile 194 weibliche Abgeordnete im Bundestag sitzen, war vor einigen Jahren noch undenkbar.
Auch wegen - oder vermutlich dank - der Frauenquote ist es so gekommen. Die Grünen haben bereits eine (50 Prozent), die SPD (40 Prozent) und die Linkspartei (50 Prozent) ebenso. Die Union hat ein Frauenquorum, eine abgeschwächte Form der Quote; wohl deshalb stellen bei ihr die Frauen nur ein Fünftel der Abgeordneten. Selbst in der FDP, die solche Reglementierungen eigentlich scheut wie der Teufel das Weihwasser, wird inzwischen über eine Quote geredet, weil bei den Liberalen nur jeder vierte Abgeordnete weiblich ist.
Anders als in der Politik oder den Medien sind Frauen hingegen in den Konzernspitzen rar. Nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) gab es 2003 in den 180 größten deutschen Konzernen nur sieben Frauen im Topmanagement. Vor allem in klassischen Männerdomänen wie der Auto- und Rüstungsindustrie bescheinigen Experten Frauen eine Wahrscheinlichkeit von nahe Null, jemals auf einen Chefposten vorzurücken.
Die Einführung einer Quote für Führungsposten in Unternehmen wird daher in Deutschland zwar immer mal wieder debattiert, ist bislang aber am Widerstand der Wirtschaftsverbände gescheitert. In Norwegen gibt es ein derartiges Modell indes schon. Dort wurde per Gesetz eine Frauenquote für Aufsichtsräte eingeführt. 40 Prozent des Kontrollgremiums müssen weiblich besetzt werden.

Kaum Chance in der Wirtschaft
Für Deutschland kommt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zu dem Ergebnis: "Frauen können ihren Rückstand in Führungspositionen in der Privatwirtschaft nur langsam verringern." Erst recht, wenn sie Familie und Kinder haben. Das große Geld scheint die Damen überdies nicht sonderlich anzuziehen. Und wenn doch die Lust auf Karriere entbrannt ist, sind es neben fehlenden Chancen oft auch die Männer, die ihnen aus Sorge um den eigenen Werdegang Steine in den Weg legen. Obwohl es dafür eigentlich keinen Grund gibt, wie die Kanzlerin süffisant anmerkt: "Im Übrigen ist es immer noch nicht so, dass die Männer Angst haben müssten, dass für sie keine Posten mehr da sind", so Merkel.