In die Schlagzeilen kam dieser Auftritt seinerzeit durch einen sprachlichen Patzer von SPD-Chef Sigmar Gabriel: ,,Wenn die Wahlbeteiligung hoch ist, dann hat Rot-Rot-Grün die alleinige Mehrheit." Gemeint war natürlich Rot-Grün. Für die Linken ist dagegen ein Dreierbündnis das Traumszenario. Bereits in Hessen schien diese Konstellation zum Greifen nah. Im Saarland galt sie fast schon als ausgemacht. Doch am Ende fiel entweder die SPD um oder die Grünen spielten nicht mit. Auch an Rhein und Ruhr lassen beide Parteien nichts unversucht, um die Linken klein zu halten. ,,Die Linkspartei in Nordhein-Westfalen ist weder regierungs- noch koalitionsfähig", gab SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft erst jüngst wieder zu Protokoll. Definitiv ausschließen will sie ein Dreierbündnis allerdings nicht. Denn eine rot-grüne Mehrheit ist den aktuellen Umfragen zufolge genauso fraglich wie eine Neuauflage von Schwarz-Gelb. Obendrein verspüren große Teile der NRW-SPD keine Neigung, eine Regierung mit dem amtierenden CDU-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers zu bilden, so dass auch eine große Koalition als Variante ausfällt.

In dieser Situation könnten die Linken tatsächlich zum Zünglein an der Waage werden. Bislang sind sie in den Landtagen von zwölf Bundesländern in Fraktionsstärke vertreten. Lediglich Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz - und auch Nordhein-Westfalen sind für die Linken noch parlamentarisches Niemandsland. Im Düsseldorfer Landtag sitzt nur ein Linksparteiaktivist, der vor drei Jahren bei den Grünen ausgetreten war. Ob den Linken am 9. Mai der Einzug in das Parlament gelingt, ist freilich noch unklar. In den aktuellen Umfragen rangieren sie zwischen fünf und sechs Prozent und damit haarscharf an der Schwelle zur außerparlamentarischen Opposition. Auf diese Rolle ist zumindest das Wahlprogramm der NRW-Linken zugeschnitten. Zu den wichtigsten Forderungen gehören eine 30-Stunden-Arbeitswoche, die Verstaatlichung großer Energiekonzerne und das schon berüchtigt gewordene ,,Recht auf Rausch", also ein legaler Drogenbesitz.

In der Berliner Parteizentrale macht man keinen Hehl daraus, dass das Potenzial an linken Spinnern und Chaoten in Nordrhein-Westfalen stark ausgeprägt ist. Offiziell klingt das natürlich anders. ,,Selbstverständlich" sei man dort regierungsfähig, betonte Ernst auf bohrende Nachfragen. Zugleich beschwor er inhaltliche Parallelen zur SPD. Siehe Bildungspolitik oder Mindestlöhne. Der Glaube an den Erfolg seines Liebeswerbens hält sich aber offenbar in Grenzen: Gegenwärtig habe er den Eindruck, dass sich Frau Kraft bei Rüttgers als ,,Vizeministerpräsidentin" einer Großen Koalition bewerbe, sagte Ernst. Aber vielleicht besinne sich die SPD ja noch.