Ende der 70er-Jahre slowenischer Parlamentspräsident, von 1982-1986 bekleidete das politische Talent in Belgrad einen hohen Posten im Zentralkomitee (ZK) des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens.

"Dort machte ich die Erfahrung, dass Jugoslawien ohne Demokratisierung nicht zu retten war", sagt er. Im kommunistischen Ein-Parteien-Staat "gab es keine Gleichberechtigung der Völker", so seine Analyse: "Die serbischen Interessen wurden als Interessen aller anderen Nationen ausgegeben".

Noch heute ist Kucan stolz, dass das Reformprogramm "Europa heute" mit dem Ziel "Sozialismus mit menschlichem Gesicht" in Slowenien Ende der 80er-Jahre von allen sozialen Schichten entwickelt wurde. "Wir schlugen die Bildung einer Konföderation vor, um zu sehen, ob wir gemeinsam noch eine Chance haben. Danach wäre eine neue, zeitgemäße Föderation Jugoslawien entstanden oder aber die Selbstständigkeit der bisherigen Republiken".

Da die Serben auf dem Wahlprinzip "ein Mann, eine Stimme" beharrten und daher als mit Abstand größtes Volk alles hätten bestimmen können, "mussten wir den legitimen, aber eigentlich illegalen Weg der Abspaltung" einschlagen, begründet Kucan die Strategie. Als auf dem 14. Parteikongress der jugoslawischen KP (20.-23. Januar 1990) die slowenischen Kommunisten unter Führung von Kucan und seinem kurz zuvor als Nachfolger an der Parteispitze gewählten Ciril Ribicic mit allen ihren Reformvorschlägen komplett scheiterten "und wir teilweise sogar ausgelacht wurden", verließen sie das oberste Gremium der Gesamtpartei - ein ungeheurer Vorgang! Die Kroaten folgten ihrem Beispiel. Der Kongress war geplatzt, und der Anfang vom Ende Jugoslawiens, das später in blutigen Bürgerkriegen zerfiel, war eingeläutet.