Der Tod kam auf dem morgendlichen Weg zur Arbeit. "Erst ein Knall, dann entstand Rauch und es brach Panik aus", berichtete eine etwa 40-jährige Moskauerin mit blutverschmiertem Gesicht, die den Bombenanschlag auf eine voll besetzte U-Bahn überlebte. Erst nach qualvoll langen Minuten hätten sich die Türen ihres Waggons öffnen lassen, sagte die Frau dem Fernsehen. Wie hunderten anderen Fahrgästen auch, gelang der Moskauerin die Flucht aus dem Flammen- und Rauchinferno unter dem Stadtzentrum der russischen Metropole.
Der Zeitpunkt und der Ort für das Selbstmordattentat waren offensichtlich gut überlegt. Morgens zwischen acht und zehn Uhr fahren in Moskau Millionen Menschen mit der U-Bahn. Die vermutlich von einer tschetschenischen Selbstmordattentäterin gezündete Bombe explodierte im Tunnel etwa zwei Kilometer vor dem stark frequentierten Umsteigebahnhof Pawelezkaja. Zu dieser Zeit hielten sich insgesamt etwa 1500 Fahrgäste in dem betroffenen U-Bahn-Zug auf.

Menschen, dicht an dicht gedrängt
Im zweiten Waggon, in dem der Sprengsatz detonierte, standen die Leute dicht aneinander gedrängt. "Menschen fielen übereinander. Es fehlte die Luft zum Atmen", berichtete ein Überlebender, der im selben Wagen etwa acht Meter von der Explosion entfernt stand.
Durch die Wucht der Detonation, deren Sprengkraft schätzungsweise der von 20 Handgranaten entsprach, wurde der Waggon buch-stäblich aufgepumpt und auseinander gerissen. Die von der Tunnelwand reflektierte Druckwelle ließ Fensterscheiben in den übrigen sieben Waggons zerbersten. Scharf wie Rasiermesser flogen die Splitter durch die Luft. Die meisten der mehr als 120 Verletzten erlitten Schnittwunden, berichteten Rettungskräfte später.
Offenbar hatten die Überlebenden der Bluttat Glück im Unglück. Im Gegensatz zu früheren Selbstmordanschlägen in Moskau war die Bombe nicht mit Stahlkugeln gefüllt, die die tödliche Wucht noch verstärkt hätten.
Ein weiterer Überlebender sagte der Internet-Zeitung newsru.com, dass die Zahl der Toten höher gewesen wäre, wenn sich die Explosion in einem nicht so vollen Waggon ereignet hätte.

Gewaltige Detonation
"Die dicht aneinander stehenden Menschen haben die Druckwelle um das Epizentrum weit gehend gedämpft und dadurch andere Passagiere gerettet, wenngleich mit ihrem eigenen Leben", sagte der Moskauer Michail. "Ätzender Rauch ließ den Atem stocken. Menschen schützten ihre Gesichter mit Schals und Mützen", berichtete der Mann.
Ein Mitglied der Untersuchungskommission berichtete später von seinen Eindrücken im Tunnel. "Die Explosion war derart stark, dass ein Waggonsplitter in der Betonwand des Tunnels steckte", sagte der Duma-Abgeordnete. "Als wir runterkamen, war der Brand bereits gelöscht. Es roch nach verschmorten Kabeln und verbranntem Fleisch."