Am Ende stolperte der Brandenburger Justizminister über sich selbst: Helmuth Markov (Linke) zeigte sich oft als aufbrausend, halsstarrig und rechthaberisch - aber auch als sehr durchsetzungsstarker Minister. Doch sein Umgang mit seiner zumindest politisch instinktlosen Selbstbedienung im Landesfuhrpark kostete ihn das Amt.

Verhältnismäßig einfach hätte Markov den knapp sechs Jahre zurückliegenden Fall abräumen können. Damals hatte er sich einen Transporter aus dem Fuhrpark des Landes für ein Wochenende bestellt, um sein privates Motorrad nach Leipzig in eine Werkstatt zu bringen. Die Rechnung des Fuhrparks in Höhe von 435,30 Euro beglich das Finanzministerium, dessen Chef der Linken-Politiker seinerzeit war. Hätte Markov schnell eingeräumt, dass er die Dienstwagen-Richtlinie als damaliger Finanzminister möglicherweise falsch interpretiert habe und das Geld samt Zinsen zurückgezahlt - der Fall wäre als Lappalie wohl schnell vergessen gewesen. Doch er beharrte auf einem vermeintlichen Recht.

Mantra-artig wiederholte Markov tagelang: "Ich habe gegen keine gesetzliche Regelung verstoßen" - nachdem ihm Juristen aus allen Ecken längst bescheinigt hatten, dass er im Unrecht sei. Denn nach der Dienstwagen-Regelung des Landes dürfen Minister und Staatssekretäre zwar ihre eigenen Dienstwagen auch privat nutzen - von den anderen Fahrzeugen des Fuhrparks steht da aber diesbezüglich nichts. Doch Markov blieb stur.

Das Eingeständnis eines Fehlers blieb einem anderen überlassen. Der Minister habe eingeräumt, dass er "die Ausleihe eines Kleintransporters beim Landesbetrieb nie in Erwägung hätte ziehen dürfen", sagte Linken-Landesvorsitzender Christian Görke, als er am Freitagabend den Rücktritt seines Parteigenossen bekanntgab.

Jetzt hat Görke - zugleich Finanzminister und Vize-Regierungschef - ein dickes Problem - nicht nur, weil er tagelang lieber unter der türkischen Sonne weilte, statt sich um das chaotische Krisenmanagement zu kümmern. Er muss nun auch das Ministeramt in der rot-roten Koalition neu besetzen. Schon Markovs Vorgänger Volkmar Schöneburg war im Dezember 2013 aus dem Amt gestolpert - wegen telefonischer Kontakte zu einem inhaftiertem Schwerverbrecher, den er begünstigt haben soll.

Dem Mangel an ministrablen Mitstreitern in der Brandenburger Linken waren die Genossen damals damit begegnet, dass Markov ins Justizressort wechselte und Görke die Finanzen übernahm. Nun werden die Genossen womöglich einen weiteren neuen Justizminister oder eine Justizministerin "einfliegen" müssen.

Als Finanzminister galt der ehemalige Unternehmer Markov als untadelig - und als großer Pedant, der seinen Kollegen keine Nachlässigkeit beim Führen der Fahrtenbücher für ihre Dienstwagen durchgehen ließ. Und der sich selbst penibel um höchste Korrektheit bemühte, Ehrenkarten für Veranstaltungen bezahlte er grundsätzlich aus eigener Tasche. Doch als aus der Not geborener Justizminister fremdelte er im Amt.