Doku Umarow scheint seine blutigen Pläne verwirklicht zu haben: Im Februar drohte der tschetschenische Rebellenchef, die Gewalt im Nordkaukasus auf ganz Russland ausweiten zu wollen. "Der Krieg kommt in ihre Städte", prophezeite er auf einer radikal-islamischen Internetseite. Am Montag wurden bei zwei Anschlägen auf die Moskauer U-Bahn 39 Menschen getötet. Die Hintermänner werden im Kaukasus vermutet. Während die U-Bahn-Anschläge in der russischen Hauptstadt für Chaos und Entsetzen sorgten, sind Gewalttaten gegen die Moskau-treuen Behörden und Sicherheitskräfte in den mehrheitlich muslimischen Gebieten im Nordkaukasus seit Monaten an der Tagesordnung. Nur zwei Tage nach den Moskauer Anschlägen wurden am Mittwoch bei einem Doppelanschlag in Kisljar in der Teilrepublik Dagestan zwölf Menschen getötet. Der russische Regierungschef Wladimir Putin deutete schon nach wenigen Stunden einen Zusammenhang zwischen den Anschlägen in Moskau und Dagestan an. "Ich schließe nicht aus, dass hier die gleichen Banditen am Werk waren", sagte er bei einer Kabinettssitzung, die im russischen Fernsehen übertragen wurde. In Tschetschenien und den Nachbarrepubliken Dagestan und Inguschetien kämpfen seit Jahren Aufständische für die Unabhängigkeit von Moskau. Seinen Anfang nahm der Konflikt Anfang der 1990er-Jahre mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion in Tschetschenien, wo Russland zwei Kriege gegen die Aufständischen führte. Der bärtige Umarow, der in beiden Tschetschenien-Kriegen kämpfte, ist seit 2006 der Anführer der tschetschenischen Rebellen. Aus den einstigen Separatisten wurden unter seiner Führung radikal-islamische Rebellen, die mittlerweile im gesamten Nordkaukasus einen Heiligen Krieg gegen die Russen führen. Aus einer "ethnischen Separatistengruppe" sei ganz klar eine religiöse geworden, sagt Achmed Jarlykapow vom Institut für Ethnologie und Anthropologie der russischen Akademie der Wissenschaft. Im Oktober 2007 rief Umarow in der Konfliktregion im Südwesten Russlands das "Kaukasus-Emirat" aus und ernannte sich selbst zu dessen Emir. Mit der gleichnamigen Gruppierung kämpft er für die Errichtung eines islamischen Staats in der Region, in dem auch das islamische Recht, die Scharia, gelten soll. Das "Kaukasus-Emirat" wird für zahlreiche Anschläge im ganzen Land verantwortlich gemacht. Die Gruppe bekannte sich unter anderem zu dem Anschlag auf den "Newski-Express" Ende November. Der Schnellzug war auf dem Weg von Moskau nach St.Petersburg durch eine Explosion entgleist, 28 Menschen kamen ums Leben. Auch für den Doppelanschlag auf die Moskauer U-Bahn machte der Geheimdienst FSB Rebellen aus dem Nordkaukasus verantwortlich. Und neue Attentäter stehen offenbar Schlange: Auf Internetseiten aus dem Nordkaukasus sind Videos künftiger Selbstmordattentäter zu sehen - vor fünf Jahren wäre das noch undenkbar gewesen, so Experten.