Das künftige Brandenburger Landtagsgebäude im wiederaufgebauten Potsdamer Stadtschloss lässt im Ostflügel schon einen Blick in die Zukunft zu. Etwa 100 der knapp 400 Büros sind auf den ersten Blick fertig - die Wände sind geweißt, Lampen befestigt, Einbauschränke montiert und Teppichböden verlegt.

Doch Abgeordnete, die meinen, sie könnten sich schon mal häuslich einrichten, werden enttäuscht. "Es muss schon noch auf die Endabnahme durch den Tüv und die Übergabe an die Landtagsverwaltung gewartet werden", sagt Birte Wöstenberg. Die 32-jährige Planungskoordinatorin beim Baukonzern BAM Deutschland ist Ansprechpartnerin für Architekten und Bauunternehmen auf der größten Baustelle der Landeshauptstadt.

Auch wenn beim Innenausbau derzeit alles glatt läuft - der Termin für die Fertigstellung steht noch nicht genau fest. Geplant war ursprünglich der Dezember 2012, nach ersten Verzögerungen dann der Herbst 2013. Der BAM-Baukonzern als Investor, Planer, Errichter und Betreiber rechnet wegen diverser zusätzlicher Aufträge jedoch frühestens mit dem Frühjahr 2014. So kostete die neue Entscheidung für ein Kupferdach nach den ursprünglichen Plänen von Baumeister Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff (1699-1753) mehr Zeit. "Wir werden uns einigen", sagt die Sprecherin des Finanzministeriums Ingrid Mattern.

Der Bau kostet rund 120 Millionen Euro. Rund 200 Handwerker aus 30 Betrieben sind derzeit im Inneren beschäftigt. Sie arbeiten sich von oben nach unten vor, Etage für Etage. Nach und nach verschwinden Kabel und Luftschächte, und Gipskartonwände verbergen künftig die komplizierte Technik, die den Landtagsbetrieb am Laufen halten wird. Nach Angaben des Finanzministeriums müssen knapp 72 400 Quadratmeter Wände gestrichen werden. Teppich wird auf 9000 Quadratmetern verlegt.

Schmuckstück soll der künftige Plenarsaal sein. "Auch hier wie im kompletten Bau gilt das Prinzip der Schlichtheit. Das Einfache ist aber gerade eine Herausforderung", sagt Wöstenberg. Ohne die Hinweise der Fachfrau ist das künftige Aussehen nur zu erahnen. Gerüste mit Arbeitsbühnen verdecken den Blick in die Höhe mit einem imposanten Glasfenster, das Tageslicht hineinlassen soll. Unterkonstruktionen sollen die Wandverkleidungen halten.

Fußbodenleger Nico Hübner von der Firma Lutz Fleckstein aus Sangerhausen (Sachsen-Anhalt) ist schon auf der zweiten Etage im Einsatz. "Schleifen, spachteln, saugen", beschreibt er die Arbeitsgänge, bevor der rote Teppich verklebt wird. Die intensive Farbe ist ein Hinweis des Architekten auf die rot-weißen Landesfarben Brandenburgs. Ist ein Raum fertig, wird die Schließanlage aktiviert. Dann ist nur noch ein Blick durch die Scheibe möglich. Bis der neue Nutzer kommt, soll alles sauber und ordentlich bleiben.