Das bizarre Ende eines Geschäftsmanns aus Hannover im Gimmlitztal (Osterzgebirge) ist auch gut zwei Monate nach Beginn des Mordprozesses gegen einen sächsischen Polizisten weiter unklar. Der im Dresdner Landgericht angeklagte Hauptkommissar des Landeskriminalamtes schweigt sich aus, der Rechtsmediziner kam bei seiner Befragung noch nicht zum entscheidenden Punkt. In dieser Woche sind weitere Zeugen aus dem Umfeld der Männer geladen.

Aussagen sollen zwei Kollegen des tatverdächtigen Detlev G., ein Wachtmeister sowie die Ex-Ehefrau, ein Cousin und die letzte Freundin des Getöteten Wojciech S. aus Polen. Sie sollen das Umfeld der Männer erhellen, die im November 2013 in einem Kannibalen-Forum im Internet eine makabre Verabredung trafen. Nach Zeugenangaben hatte Wojciech S. die Fantasie, geschlachtet und verspeist zu werden.

Ab Dienstag wird mit Andreas Marneros zudem ein zweiter forensischer Psychiater die Verhandlung verfolgen. Das Gericht hatte den früheren Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Halle-Wittenberg auf Drängen der Verteidigung bestellt. Die Berufung wurde nötig, weil der Angeklagte den bereits am Verfahren beteiligten Berliner Psychiater Hans-Ludwig Kröber ablehnt und eine Begutachtung durch ihn verweigert. Marneros habe seinen Mandanten drei Tage lang im Gefängnis untersucht, sagte Rechtsanwalt Endrik Wilhelm.

Die Kammer um die Vorsitzende Richterin Birgit Wiegand ist daher auf Zeugenaussagen und den Angeklagten angewiesen, der bisher nur launige Kommentare gegenüber Fotografen abgibt, mit seinen Anwälten scherzt oder diskutiert. Laut Anklage soll er den 59-jährigen vor einem Jahr im Keller seiner Pension erhängt und die Leiche zerstückelt haben - aus sexuellen Motiven. Die in einer Wiese vergrabenen Überreste des gebürtigen Polen wurden Wochen später geborgen. Bei seiner Festnahme Ende November 2013 hatte der Polizist noch angegeben, seinem Gast die Kehle durchtrennt und die Leiche zerlegt zu haben. Später widerrief er den Teil mit der Tötung und verwies auf Selbstmord.

War das am 22. August begonnene Verfahren ursprünglich bis zum 5. November terminiert, wird das Urteil nun erst 2015 gesprochen. Im Prozess gegen Detlev G. wegen Mordes und Störung der Totenruhe gibt es weitere Verhandlungstage bis 25. März.

Erwartet wird unter anderem auch die Entscheidung über die Vorführung des rekonstruierten Videos, das der Angeklagte im Keller der Pension aufzeichnete und später löschte. Die Verteidigung lehnt das ab und begründete den entsprechenden Antrag unter anderem mit Suizidgefahr beim Angeklagten. Die Prüfung läuft noch.