Der Freitag sollte ein Tag der Freude werden. Tunesien hätte an diesem 20. März den 59. Jahrestag seiner Unabhängigkeit gefeiert, die Avenue Habib Bourguiba im Herz der Hauptstadt wäre mit den Flaggen des Landes geschmückt worden. Nun trägt das Land Trauer.

Bei einem blutigen Terroranschlag auf das Nationalmuseum in Tunis töteten Extremisten am Mittwoch mehr als 20 Menschen, vor allem Urlauber.

Die Bluttat ist eine Tragödie für die junge Demokratie und das Ende eines langen Frühlings. Tunesien ist das Geburtsland der Aufstände des Arabischen Frühlings - und hatte als bislang einziges Land den Weg in die Demokratie geschafft. Anfang 2011 stürzten die Tunesier den Diktator Zine el Abidine Ben Ali, im Dezember 2014 wählten sie ihren ersten freien Präsidenten. In Syrien, Libyen und im Jemen indes toben Bürgerkriege, in Ägypten herrscht wieder ein despotischer Armeechef. Islamisten richten sich überall im Chaos ein.

Die Attacke von Tunis zeigt nun, dass auch Tunesien seinen Kampf mit dem Terror noch lange nicht gewonnen hat. Das Terrornetz Al Qaida wie auch die Miliz Islamischer Staat (IS) haben Verbündete im Land, regelmäßig gibt es Anschläge auf die tunesischen Sicherheitskräfte. Mit bis zu 3000 Kämpfern stellen die Tunesier nach Schätzungen die größte Gruppe unter den ausländischen Kämpfern im Irak und in Syrien dar. Die lokale Hackerszene gilt als besonders agil im Verbreiten von islamistischer Propaganda im Internet.

Tunesiens neue Regierung war sich dessen bewusst, ein neues verschärftes Anti-Terror-Gesetz ist derzeit in Arbeit. Die Attacke sei daher "ein Anschlag auf den politischen Prozess im Land", sagt Hardy Ostry, Leiter im Auslandsbüro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Tunis. "Der Anschlag zielt auch auf Wirtschaft und Tourismus im Land", sagte Ostry der Deutschen Presse-Agentur. Das Sommergeschäft sei für das erblühende Land nun nach der Bluttat gelaufen. Auch die Deutsch-Tunesische Industrie- und Handelskammer befürchtet einen Rückschlag für den Tourismus im Land. "Aber es ist wichtig, dass der Aufschwung weitergeht", sagt die stellvertretende Geschäftsführerin Natascha Boussiga. "Man sollte den Tunesiern zur Seite stehen und jetzt erst recht ins Land reisen."

Schon einmal hatte der Terror im Übergangsprozess das Land in seiner Gewalt. 2013 bremste die Ermordung zweier prominenter Politiker den Demokratisierungsprozess gefährlich aus. Die islamistische Ennahda-Partei, bei den ersten freien Wahlen 2011 als stärkste Kraft hervorgegangen, musste sich aus der Regierungsverantwortung zurückziehen. Von den Attentaten distanzierte sich Ennahda stets.

Hoffnungen, dass die Partei durch einen gelebten politischen Islam den Extremisten im Land den Zulauf schwächen könne, bestätigten sich indes nicht. Eher scheinen die Radikalen weiter zu wachsen. Als eine der stärksten Bewegungen gilt die Salafistengruppe Ansar al-Scharia.

Sicherheitsexperten warnten längst, Tunesien müsse seine Grenzen besser in den Griff bekommen. Gerade über das zerfallende Libyen im Osten würden Syrien-Heimkehrer mit IS-Ausbildung einsickern.

Tatsächlich beanspruchte die Miliz am Donnerstagabend in einer im Internet veröffentlichten Audiobotschaft die Bluttat für sich. Zwei "Ritter des Kalifats" hätten den Anschlag durchgeführt. Die tunesischen Sicherheitskräfte hätten es nicht vermocht, höhnt der Sprecher, beide zu stoppen "bis ihre Munition alle war".

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Als Reaktion auf den Terroranschlag haben mehrere Reedereien die tunesische Hauptstadt aus den Fahrplänen ihrer Schiffe gestrichen. Costa Crociere will Tunis bis auf Weiteres durch andere Häfen im Mittelmeer ersetzen, sagte eine Sprecherin. Auch MSC Cruises und Aida Cruises werden Tunis nach Medienberichten vorerst nicht mehr anlaufen.