Diese Konstruktion sollte Schluss machen mit dem Nebeneinander bei der Verwaltung von Sozialhilfe und Arbeitslosenhilfe. Ziel war die Betreuung der Betroffenen unter einem Dach und aus einer Hand. Derzeit gibt es etwa 6,4 Millionen Bezieher von Hartz-IV-Sozialleistungen. Neben den 349 Jobcentern gibt es noch zwei weitere Modelle für die Betreuung von Langzeitarbeitslosen. Die Union setzte Ende 2003 in einem in letzter Minute zustande gekommenen Kompromiss im Vermittlungsausschuss von Bundesrat und Bundestag durch, dass 69 Städte und Landkreise für die Hartz-IV-Verwaltung alleine zuständig sind. Sie und nicht die Arbeitsagenturen kümmern sich dort um Jobs für Langzeitarbeitslose. Daneben gibt es noch 21 Kommunen, in denen Arbeitsagenturen und örtliches Sozialamt in - wie es heißt - getrennter Aufgabenwahrnehmung agieren. Dort erhalten Hartz-IV-Bezieher wie früher zwei Bescheide für ihre staatlichen Leistungen. Welches Modell besser ist, darüber gehen die Ansichten der Betroffenen weit auseinander. In den Jobcentern sind knapp 60 000 Betreuer und Fallmanager beschäftigt. Solange die organisatorische Neuordnung nicht in trockenen Tüchern ist, hängen sie mit ihren Arbeitsverträgen praktisch in der Luft. Grund ist ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Dezember 2007, das die in den "Argen" praktizierte Mischverwaltung für grundgesetzwidrig erklärte. Es gebe für die Betroffenen nicht die erforderliche Klarheit, wer für was zuständig sei, begründeten die Karlsruher Richter ihren Tadel. Für eine Änderung setzten sie eine Frist bis Ende 2010. Mitte 2008 einigte sich Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) einvernehmlich mit allen 16 Bundesländern, dass es bei einer einheitlichen Hartz-IV-Verwaltung bleiben soll und dass - um den Vorgaben des Verfassungsgerichts gerecht zu werden - dazu das Grundgesetz geändert werden soll. Das Scholz-Konzept sieht die Bildung von 370 eigenständigen, öffentlich-rechtlich organisierten "Zentren für Arbeit und Grundsicherung" (ZAG) vor. Sie sollten die Betreuung "aus einer Hand" in rechtlich korrekter Form sicherstellen. Gegen dieses Modell - das eine Grundgesetzänderung vorsieht und für die Optionskommunen eine Bestandsgarantie enthält - gab es plötzlich Widerstand aus der Spitze der Unionsfraktion im Bundestag. Man wolle kein für verfassungswidrig erklärtes Gesetz durch eine Grundgesetzänderung heilen, lautete die Begründung. Der Widerstand richtet sich allerdings auch gegen eigene Parteifreunde, vor allem die von der CDU gestellten Ministerpräsidenten. Der Streit mitten in der Wirtschaftskrise und steigender Arbeitslosenzahlen kommt nach Meinung vieler Arbeitsmarktexperten zur Unzeit: Sollten die Jobcenter rückabgewickelt werden, sei ein Organisationschaos zu Lasten der Langzeitarbeitslosen zu befürchten.