Derzeit wird untersucht, wie groß die auszusetzenden Tiere sein sollten. "Im vergangenen Jahr wurden Winzlinge von 1,5 Zentimetern bis zu größeren Jungfischen von 30 Zentimetern Länge in den Fluss entlassen, um deren Wachstum und Überlebensraten zu bestimmen", sagt Geßner. Ziel des Projektes sei es, den Ostseestör (Acipenser oxyrinchus), der seit Ende der 1960er-Jahren im deutschen Ostseegebiet nicht mehr vorkommt, im einstigen Verbreitungsgebiet wieder heimisch werden zu lassen. Bis vor 100 Jahren wurden Störe wegen des Kaviars, vor allem aber auch wegen des grätenarmen Fleisches bis auf Restbestände überfischt. Gewässerverschmutzung und Verbauung der Flüsse besorgten den Rest. "Sie waren die ersten Fischarten, die auf die massiven Umweltveränderungen reagiert haben", erläutert Henning von Nordheim vom Bundesamt für Naturschutz. Das gleiche Schicksal traf dann Lachs, Meerforelle, Schnäpel und Maifisch. "Wenn wir nun Umweltbedingungen entwickeln, in denen sich der Stör wohlfühlt, kommt das auch anderen gefährdeten Arten in den Flüssen zugute", meint von Nordheim. Wichtig sei, dass die Fische nicht durch Verbauungen - wie etwa Wehre - an ihren Wanderungen in den Flüssen gehindert werden. Der Stör ist ein Grenzgänger zwischen Süß- und Salzwasser wie Lachs und Aal. Er laicht in Flüssen, wo auch die Jungfische aufwachsen. Diese wandern mehrere hundert Kilometer in die offene See, schwimmen zum Laichen aber wieder in die "Geburtsflüsse" zurück. Obwohl seit 2007 rund 42 000 teils mit Sendern ausgestattete Jungfische in die Oder gesetzt wurden, wird es laut Geßner noch lange dauern, bis von einer gelungenen Wiederansiedlung die Rede sein kann: "Erst wenn die jetzt ausgesetzten Jungfische in etwa 15 Jahren zum Laichen wieder in die Oder zurückkommen sollten und sich dann ein sich selbst reproduzierender Bestand entwickelt hat, war das Projekt auch ein voller Erfolg." Bis die Fischerei wieder etwas von dem einst so wirtschaftlichen Fisch profitieren wird, "dauert es wahrscheinlich noch 20 bis 25 Jahre", meint von Nordheim. Dennoch sei die Zusammenarbeit mit der Fischerei extrem wichtig für das Vorhaben. "Die Meldungen von Fängen der ausgesetzten Störe sind eine wichtige Informationsquelle etwa über das Wachstum unter natürlichen Bedingungen", erläutert Geßner. Imke Hendrich