Beobachtern zufolge beweist der von Washington unterstützte Armeeeinsatz Äthiopiens vor allem, dass die USA an einem weiteren Brandherd der Welt mit ihrer Strategie gescheitert sind, auf militärische Übermacht statt auf Diplomatie zu setzen. Die USA verfolgten eine rein militärische Politik, die frei von jeglichen friedensschaffenden Elementen sei, kritisiert John Prendergast, Afrika-Experte der International Crisis Group (ICG). Nur allzu deutlich sei die Abwesenheit von US-Diplomaten bei den meisten diplomatischen Initiativen für Friedensverhandlungen gewesen, die von der Europäischen Union in diesem Monat initiiert worden seien. "Das Ergebnis ist, dass sowohl Äthiopien als auch die Islamischen Gerichte glauben, die USA unterstützten eine militärische Lösung in Somalia." Die Folge dieser Einschätzung: Die Spannungen würden weiter angeheizt. Seit dem Sturz des somalischen Di ktators Siad Barre im Jahr 1991 sind die Erfahrungen der USA in dem Land am Horn von Afrika geradezu traumatisch. Der Versuch, inmitten einer katastrophalen humanitären Situation 1993 die Herrschaft der Warlords zu beenden, scheiterte kläglich: 18 US-Soldaten wurden getötet, ihre von Kugeln durchsiebten Leichen von einer johlenden Menge durch die Straßen geschleift. Mehr als ein Jahrzehnt später änderte die CIA im Rahmen des Anti-Terror-Kampfes ihre Taktik und begann, eben jene früher bekämpften Warlords zu unterstützen, um den rasch wachsenden Einfluss der Islamisten zu schwächen.

Rückzug von Verhandlungen
Als auch diese Strategie nicht aufging, schaltete sich das US-Außenamt in diesem Jahr in Vermittlungsbemühungen zwischen den Islamisten und der somalischen Übergangsregierung ein. Ein erneutes Umdenken wurde erkennbar, als der Afrikabeauftragte des Außenministeriums, Jendayi Frazer, vor dem angeblich zunehmenden Einfluss des Terrornetzwerks Al Qaida auf die Islamisten in Ostafrika warnte. Zwar widersprachen andere US-Experten Frazers Einschätzung, das Ergebnis war jedoch, dass sich die USA wieder aus den diplomatischen Initiativen zurückzogen. Denn Verhandlungen mit Islamisten sind für Washington undenkbar.
Es habe keinen starken Einsatz der US-Diplomaten für Friedensgespräche gegeben, bestätigt Ken Menkaus, Somalia-Experte am Davidson College in North Carolina. Stattdessen geben die USA nun ihrem engen Verbündeten Äthiopien Rückendeckung bei seinen Militäraktionen in Somalia.

Unterstützung für Äthiopien
Addis Abeba stützt die Übergangsregierung, weil es fürchtet, dass eine Machtübernahme der Islamisten auch im christlich dominierten Äthiopien zu Unruhen führen könnte. Lange Zeit hielten sich die USA mit einer öffentlichen Unterstützung Äthiopiens zurück. Das änderte sich am vergangenen Dienstag: Da attestierte Außenamtssprecher Gonzalo Gallegos Addis Abeba "ernsthafe Sicherheitsinteressen" in Hinblick auf die Entwicklungen im Nachbarland.
Die USA hoffen nun offenbar, dass eine starke Machtdemonstration der Äthiopier den Islamisten zeigen wird, dass sie keine Chance haben, Somalia militärisch komplett in ihre Hand zu bekommen. Das könnte der erste Schritt zu neuen Verhandlungen sein. Für ganz unwahrscheinlich hält Menkaus dieses Szenario nicht: "Wenn sich die beiden in dieser und vielleicht auch noch nächste Woche ihre Nasen aneinander blutig gerieben haben, sind sie in der Lage aufzuhören und sich zurückzuziehen." Sollte der Weg zu Verhandlungen nicht beschritten werden, drohe auch Äthiopien in einem Bürgerkrieg mit den Islamisten zu versinken, der sich auch auf das eigene Territorium ausbreiten könnte, warnt Menkaus.