Biden bekommt anschließend miserable Verhaltensnuten von den Wählern, aber er hat mit seiner rüden Art eines erreicht. Jetzt redet keiner mehr über den einschläfernden Auftritt seines Chefs Barack Obama, sondern alle wollen wissen, ob der es schafft, seinem Vize zu folgen und Mitt Romney richtig einzuheizen. Inhaltlich hat die Debatte nichts Neues gebracht. Die hin und her gerissene Wählerschaft weiß seit Monaten, dass es mit Obama mehr oder weniger so weitergeht, wie die letzten vier Jahre und dass Romney dort wieder anfangen will, wo Gerge W. Bush aufhörte.

Im Wahlkampfkalender war die Debatte der Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten bis vor wenigen Tagen eher als Nebensache gebucht. Ganz im Gegensatz zu vor vier Jahren, da war das Vize-Duell von vorneherein echter Hit, weil da Sarah aus Alaska, die von ihrem Fenster aus immer Russland im Blick hat, diese überraschende Kandidatin Palin so richtig Stimmung in die Bude brachte. Gestern Nacht wurde die Debatte dann auch fast ein Hit, weil diesmal das erste Duell der Präsidentschaftskandidaten so in die Hosen gegangen war für den derzeitigen Amtsinhaber im Weißen Haus und Romney ununterbrochen punktete. Obama ist fast schon dramatisch abgestürzt in den Umfragen und plötzlich scheint das Rennen wieder offen. So wurde diese Vize-Show das Warmlaufen für die nächste Runde im Kampf der beiden wirklichen Kandidaten am Dienstag kommender Woche. Vizepräsidentenkandidaten haben eben vor allem Unterhaltungswert und der war diesmal durchaus vorhanden, aber natürlich nichts im Vergleich zu der Sarah-Show vor vier Jahren. Umfragen ergaben damals, dass die große Mehrheit der Zuschauer die Frau eher symphytisch fanden, gleichzeitig aber ihr die Eignung für das Amt absprachen.

Diesmal war nach ersten Analysen die Sache wesentlich ausgeglichener. Die Vorstellung allerdings, dass Biden oder Ryan durch welchen geschichtlichen Unfall auch immer eines Tages tatsächlich wesentlichen Einfluss auf die Geschicke der Welt gewinnen könnten, muss unbehaglich stimmen. Biden in seiner rüden Art, Ryan in seiner gutgläubigen Naivität waren auch der schlagende Beweis für die Schwächen des politischen Systems der USA. In so fern passte es auch glänzend, dass der Rest der Welt sich am Morgen danach über den Friedensnobelpreis für Europa freuen durfte.