Vor allem auf allerhöchster Ebene ist das Verhältnis schwer beschädigt: Ein Treffen zwischen US-Präsident George W. Bush und Bundeskanzler Gerhard Schröder ist vorerst nicht geplant.
Gleich zwei hohe deutsche Regierungsmitlieder waren jetzt in Washington zu Gast. Verteidigungsminister Peter Struck traf unter anderen den Kollegen Donald Rumsfeld und die Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice; ebenfalls bei Bushs Top-Beraterin vorstellig wurde der außenpolitische Kanzlerberater Bernd Mützelburg.

Medien nicht interessiert
Allerdings blieb das öffentliche Echo auf den ersten Austausch auf Ministerebene seit Ende des Irak-Krieges praktisch gleich null. Nicht eine überregionale Zeitung berichtete über die Visite Strucks. Selbst das Pentagon sagte auf Anfrage lediglich, es habe sich um "einen üblichen Besuch" gehandelt. Deshalb werde zum Inhalt des 30-minütigen Meinungsaustausches zwischen Struck und Rumsfeld auch nichts gesagt. Daraus abzuleiten, dass die beiderseitigen Beziehungen nicht doch auf dem Weg der Besserung sind, wäre aber trotz allem verfehlt. "Wir sind jetzt schon ein gutes Stück auf dem Weg zur Normalisierung zwischen beiden Staaten vorangekommen," sagte Struck nach dem Treffen.
Doch dass die Normalität noch lang nicht erreicht ist, belegt die andauernde Funkstille auf höchster Regierungsebene: Zuletzt trafen sich Bush und Schröder im November beim Nato-Gipfel in Prag, auch miteinander telefoniert haben sie seit Monaten nicht. Und neue Kontakte zwischen dem Kanzler und dem US-Präsidenten sind vorerst nur im mulitaleralen Rahmen absehbar.

Bereit zur Deeskalation
Die Bundesregierung ist bemüht, eine neue Konfrontation mit den USA zu vermeiden. Auch auf Seiten der US-Regierung scheint es Bereitschaft zur Deeskalation zu geben. Der Leiter der Berliner Außenstelle des Aspen-Instituts, Jeffrey Gedmin, sagte der "Financial Times Deutschland", aus State Department wie Weißem Haus komme die Botschaft: "Wir wollen eine Brücke zur deutschen Regierung schlagen, aber nicht auf der Grundlage der französischen Idee, dass ein Gegengewicht zu den USA notwendig sei." Die Bundesregierung setzt vor allem auf Pragmatismus in den gegenseitigen Beziehungen. "Die Amerikaner wissen genau, dass sie Deutschland brauchen und wir wissen, dass wir Amerika brauchen", heißt es. Verwiesen wird auf den Bundeswehreinsatz in Afghanistan, der die USA "enorm" entlaste.
Bis zu welchem Grade sich das deutsch-amerikanische Verhältnis bessert, wird auch davon abhängen, ob der direkte Dialog zwischen Bush und Schröder wieder in Gang kommt. Dass die Initiative vom US-Präsidenten ausgeht, erscheint aber kaum vorstellbar.
Der Kanzler müsse den ersten Schritt tun - und Bush sei gut beraten, dann "sehr großmütig" zu reagieren, meint Marsha Vande Berg, Expertin für die deutsch-amerikanischen Beziehungen an der Universität San Francisco. Sie sieht die Chance für eine Annäherung, wenn beide Politiker das Motto beherzigten: "Wir mögen uns zwar nicht, aber wir können uns darauf verständigen, miteinander klarzukommen."