"Ich muss es woanders versuchen", ruft Axel Markwitz in sein Handy. Wie immer geht er auf seinem Firmengelände in Krausnick (Dahme-Spreewald) ein Stückchen weiter, um vielleicht doch noch Empfang zu bekommen. Mehr als einen stottrigen, ständig unterbrochenen Kontakt bekommt er allerdings nicht. An seiner Metall- und Anlagenbau GmbH (MAB) mit Firmensitz im Unterspreewald geht die mobile Erreichbarkeit vorbei. Seit Jahren. Als "unhaltbaren Zustand" hat Ralf Henkler vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) die Situation in dieser Spreewaldregion bezeichnet. "Weil Erreichbarkeit für die Firmen überlebenswichtig ist", fügte der BVMW-Geschäftsführer für Oberspreewald-Lausitz und Dahme-Spreewald Süd hinzu.

Wie Metallbauer Markwitz hat auch Henkler darauf gehofft, dass die von der Deutschen Telekom angekündigte Prüfung vor Ort und die vom Landtagsabgeordneten Werner-Siegwart Schippel (SPD) initiierten Nachfragen beim Wirtschaftsministerium Lösungsansätze sichtbar machen würden. Doch weit gefehlt. T-Mobile und auch deren Wettbewerber seien zwar auf dem Firmengelände gewesen und hätten Messungen vorgenommen. "Wiedergekommen ist aber keiner", sagt Axel Markwitz.

Es sei auf den hohen Aufwand verwiesen worden, um das Netz im Unterspreewald weniger löchrig zu gestalten. Markwitz: "Kosten, die wir am besten allein tragen sollen." Auch auf das Angebot des Firmenchefs, der die MAB mit seinem Geschäftspartner Martin Lehmann führt, einen stillgelegten Schornstein auf dem Betriebsgelände als zusätzlichen Mobilfunkmast zu nutzen, sei man nicht eingegangen. Dabei habe Markwitz in seiner jahrelangen Auseinandersetzung mit der Telekom immer wieder zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Untere Naturschutzbehörde keine weiteren Masten im Spreewald genehmigen würde.

In der Antwort, die der SPD-Politiker Schippel im Dezember auf seine Kleine Anfrage im Landtag vom Wirtschaftsministerium erhalten hat, liest sich das allerdings weitaus optimistischer. Wenngleich eine Festlegung aus dem Jahre 2005 eine "Mastenerstellung in Naturschutzgebieten nicht möglich macht", sei dies "in Landschaftsschutzgebieten nach Prüfung des Einzelfalls durchaus denkbar". Nach Aussage des Potsdamer Wirtschaftsministeriums sei dies den Mobilfunkanbietern bekannt.

Für den Amtsdirektor des Amtes Unterspreewald, Jens-Herrmann Kleine, ist ein Masten-Stopp im Spreewald ein vorgeschobenes Argument. "Wenn die Telekom hier den Mobilfunkempfang verbessern will und dazu neue Masten gesetzt werden müssen, dann bekommen wir das auch hin", ist Kleine überzeugt. Bisher habe er davon aber nichts gehört.

Auf RUNDSCHAU-Nachfrage räumt Telekom-Pressesprecher Georg von Wagner ein, dass neue Mobilfunkmasten zurzeit nicht vorgesehen seien. Nachdem die Prüfung der Techniker vor Ort erfolgt sei, habe man sich entschieden, nicht auszubauen. Von Wagner betont, dass es zu wenige Kunden in diesem Bereich gebe, die den hohen Kostenaufwand rechtfertigen würden. Damit bestätigt sich der enttäuschende Eindruck von Mandy Markwitz-Lehmann, dass "sich niemand ernsthaft gekümmert hat". Die Tochter des Firmenchefs lässt bei der Telekom aber nicht locker. "Auf unser Angebot, den alten Schornstein zu nutzen, ist bisher nicht eingegangen worden", sagt sie. Wenn es möglich sei, dort einen Verstärker zu installieren, "dann müssen wir auch dranbleiben".

Amtsdirektor Jens-Herrmann Kleine kann die Einschätzung der Telekom zur Nutzung des T-Mobile-Empfangs im Unterspreewald nicht nachvollziehen. Nicht nur Krausnick, Freiwalde oder Niewitz seien vom fehlenden Netz betroffen. Auch die Touristen-Hochburg Schlepzig stecke im "schwarzen Loch". Für Kleine sei es "völlig unverständlich", warum die Telekom Tausende Besucher, Gewerbetreibende und Einwohner ignoriere.

Offenkundig ist auch hier der Breitbandatlas des Bundes die maßgebliche Quelle. Danach, so geht es aus der Antwort an Werner-Siegwart Schippel hervor, "sind im Spreewald nahezu 100 Prozent der Haushalte mit einer Leistung von 1Mbit/s grundversorgt". Wobei ein Großteil auch über schnellere Leitungen oder Verbindungen verfügt.

Doch das hilft all denen nicht, die unter "schwarzen Löchern" leiden. Und das sind in der Spreewald-Region noch immer viel zu viele.