60 Millionen kriegen die Kommunen. Den Rest will Finanzminister Georg Unland (CDU) im Keller bunkern. Für schlechte Zeiten. Doch die sind erstmal nicht in Sicht. Die Welt sieht wieder etwas rosiger aus, verkündet Sachsens Finanzminister mit Blick auf die Zahlen. Anlass zur Freude bieten die knapp 270 Millionen Euro, die Sachsen 2014 und 2015 mehr einnehmen wird.

Die halbjährliche Steuerschätzung ist ein finanzpolitisches Ritual, es läuft eigentlich immer so: Sachsens Steuerquellen sprudeln, verkündet ein zufriedener Finanzminister. Aber rausrücken will er nichts, man weiß ja nie, was kommt. Allein im laufenden Jahr rechnet Unland mit 12,44 Milliarden an Einnahmen. Das sind 165 Millionen mehr, als noch im Herbst zu erwarten war. Für 2016 stehen demzufolge 104 Millionen an Mehreinnahmen ins Haus.

Auch darüber hinaus sind keine Wolken am Himmel zu erkennen. "Wenn das so gut weiter geht, können wir in den nächsten Jahren mit noch mehr Geld rechnen", sagte Unland gestern in Dresden. Bis 2019 könnten das pro Jahr bis zu 200 Millionen zusätzlich werden. Die Zahlen hat Sachsens oberster Kassenwart gestern dem schwarz-roten Kabinett vorgestellt, damit ist die Prognose amtlich.

Für die Steuerschätzung haben die Experten im Finanzministerium die Analysen von 20 Wirtschaftsinstituten ausgewertet. Die freuen sich derzeit über günstige wirtschaftliche Perspektiven für ganz Deutschland. Je genauer die Einzeldaten, desto besser, weiß Unland. Denn: "Eine gute Haushaltsplanung ist am Ende nichts anderes als eine möglichst genaue Prognose."

Mit der Mai-Steuerschätzung kommen nun rund 270 Millionen auf den insgesamt 34,4 Milliarden Euro schweren Landeshaushalt für 2014 und 2015 drauf. Doch das Geld hat der sparsame Finanzminister längst verplant. Ein Teil soll an die Städte und Gemeinden fließen. Die haben laut Finanzausgleichsgesetz einen Anspruch am Geldsegen des Landes in Höhe von insgesamt 67 Millionen Euro - 48 Millionen für 2015 und weitere 19 Millionen im nächsten Jahr.

Aber auch die eigenen Steuereinnahmen der Kommunen steigen in den nächsten eineinhalb Jahren - um insgesamt 41 Millionen Euro, wie Unland schätzt. 2014 können sich die Kommunen über 15 Millionen zusätzlich freuen, weitere 26 Millionen kommen im nächsten Jahr dazu.

In der Landeskasse bleiben voraussichtlich 200 Millionen an Steuermehreinnahmen. Die indes hat Unland schon verplant. Das Geld kommt auf die hohe Kante. Dort musste Schwarz-Rot jüngst 400 Millionen wegnehmen, um den Doppeletat dicht zu bekommen. In diesem Topf "Haushaltsausgleichsrücklage" sind aktuell exakt 982 086 589,58 Euro gebunkert. Eine knappe Milliarde für den Fall, dass mal was fehlt. Dass das entnommene Geld wieder zurückfließt, dafür sorgt das Haushaltsgesetz. Darauf tippte Unland gestern und hielt gleich die Bälle flach: "Diese Steuerschätzung schafft keine neuen Ausgabenspielräume."