Bei seinen jahrelangen Ermittlungen will er bemerkt haben, dass die Schuldigen von der Regierung seines Landes gedeckt werden. Sie soll verschleiert haben, dass der Iran an dem Anschlag beteiligt war, weil sie an Wirtschaftskontakten mit Teheran interessiert ist. Der Staatsanwalt beschließt, an die Öffentlichkeit zu gehen. Doch am Abend vor der Anhörung im Kongress ist der Jurist tot. Seine Mutter findet ihn in einer Blutlache liegend, neben seiner Leiche mit Kopfschuss entdeckt die Polizei eine Pistole und eine Patronenhülse.

War es Selbstmord? Eine Exekution? Nicht nur in Argentinien wird der Tod von Alberto Nisman hitzig diskutiert. Am anderen Ende der Welt beschäftigt er eine ganze Nation. "Wer sorgt dafür, dass Alberto Nisman Gerechtigkeit widerfährt?", fragt die israelische Nachrichtenseite "Times of Israel" am gestrigen Dienstag. Der Artikel beschreibt Nisman als klugen Faktenfinder, der sich "der Gerechtigkeit verschrieben hatte".

Er jagte Täter und Hintermänner des schlimmsten Terroranschlags in der Geschichte des südamerikanischen Landes: 1994 hatte eine in einem Lieferwagen versteckte Bombe das jüdische Gemeindezentrum Amia in Buenos Aires völlig zerstört, 85 Menschen starben.

Was passiert, wenn ein Staat terroristische Angriffe auf Juden unverfolgt lässt, konnte oft genug in der Geschichte beobachtet werden. Bei den Olympischen Spielen in München töteten palästinensische Attentäter 1972 elf Israelis. Fünf Attentäter starben - doch die Köpfe der Operation hatten kaum juristische Konsequenzen zu befürchten. Sie saßen unter anderem im Libanon, das sich mit Israel bis heute formal im Kriegszustand befindet.

Deshalb nahm der israelische Geheimdienst den Fall in die Hand. Die Agenten handelten auf Anweisung der damaligen Regierungschefin Golda Meir. "Wo immer ein Anschlag vorbereitet wird, wo immer Menschen die Ermordung von Juden und Israelis planen - genau dort müssen wir zuschlagen", hatte Meir kurz nach dem Anschlag gesagt.

So erarbeitete der Mossad eine inoffizielle Liste von Männern, die Anteil an dem Anschlag in München gehabt haben sollen. Sie zu verfolgen war Ziel der Sondereinheit "Caesarea". Zwanzig Jahre jagte das Kommando die Hintermänner und brachte dabei 20 mutmaßliche Hintermänner des Olympia-Massakers um, darunter in Norwegen auch ein unschuldiger Kellner, weil der Mossad ihn verwechselt hatte.

Die Aktion ist international umstritten. Doch Israel hält bis heute an den gezielten Tötungen fest. Einerseits sollen sie abschrecken, damit ein potenzieller Attentäter weiß, dass er für immer verfolgt werden wird. Andererseits vermitteln die Kommandos Israels chronisch bedrohter Gesellschaft ein Gefühl von Sicherheit.

Dass diese Strategie das Blutvergießen nicht stoppen kann, zeigt gerade das Geschehen in Argentinien. 1992 wurde der Generalsekretär der libanesischen Hisbollah-Miliz, Abbas Mussawi, von einer israelischen Rakete getötet. Eine pro-iranische schiitische Extremistenorganisation rächte nach eigenen Angaben seinen Tod mit dem bis dahin größten Terroranschlag in der Geschichte Argentiniens: Eine Bombe zerstörte 1992 die israelische Botschaft, eine Kirche und eine Schule. Insgesamt starben 29 Menschen und 242 wurden verletzt. Zwei Jahre später ging dann die Bombe vor der Amia hoch.