Doch der Vater war dagegen. So widmete sich Heller der Religion, er studierte Theologie und wurde katholischer Pfarrer. In die Manege hat es der gebürtige Schweizer dennoch geschafft. "Ich bin der Clown Gottes", sagt er. Heller ist Zirkuspfarrer. Er betreut Artisten, Gaukler und Schausteller. Unter anderem im größten deutschen Freizeitpark, im Europa-Park im badischen Rust. Innerhalb der katholischen Kirche gilt Heller als Paradiesvogel.

Zwischen Zuckerwatte und Achterbahn wirbt der 61-jährige Geistliche für den Glauben und die Kirche. Mit Überzeugung, aber ohne ernste Miene und erhobenem Zeigefinger. "Die Kirche verkündet eine frohe und keine Drohbotschaft", sagt er. "Es geht um Licht und Freude." Damit hat er auch den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) angesteckt. "Wenn alle katholischen Pfarrer so wären wie er, dann würde ich sofort in die katholische Kirche eintreten", sagte der Sozialdemokrat, nachdem er Heller und dessen komödiantisches Talent kennengelernt hatte.

"Dort, wo die Menschen feiern und ihre Freizeit verbringen, da muss auch die Kirche sein", erklärt Heller, der seit neun Jahren als Zirkuspfarrer arbeitet und damit eine fahrende Gemeinde betreut. Im Gegensatz zu anderen Pfarrern komme er leichter in Kontakt mit Menschen, die mit der Kirche wenig zu tun haben.

Brückenbauer im Freizeitpark"In einem Umfeld, in dem die Menschen entspannt und fröhlich sind, da sind sie auch für grundsätzliche Fragen offen und zugänglich." Bei Freizeitaktivitäten gehe es um das gemeinsame Erleben mit der Familie und um Freunde. "Da darf die Kirche nicht fehlen, weil Familie und Gemeinschaft Werte sind, die uns am Herzen liegen." Im Zirkus und im Freizeitpark könne die Kirche Brücken bauen zu Menschen, die keinen Gottesdienst besuchen.

Im Europa-Park ist Heller einer von drei Seelsorgern. Auch der katholische Pfarrer Andreas Wilhelm und sein evangelischer Kollege Martin Lampeitl kümmern sich um die jährlich vier Millionen Parkbesucher und die Artisten. "Die Nachfrage ist enorm", sagt der Chef des Parks, Roland Mack. "Die Menschen gehen in die Kirche, weil sie einen Ort der Ruhe suchen. Sie erhoffen sich einen spirituellen Impuls." Die vier geweihten Kirchen und Kapellen, die in dem Freizeitpark stehen, sind gut besucht. "Die Fürbittbücher, die in den Kirchen ausliegen, müssen täglich gewechselt werden, weil sie von Besuchern vollgeschrieben wurden", sagt Mack.

"Viele Menschen brauchen die Religion wie einen Haltegriff im Bus", sagt Pfarrer Heller. Ihm geht es auch um die Artisten. "Das fahrende Volk ist sehr gläubig." Die Künstler, die weltweit im Einsatz sind, sehen im Pfarrer einen wichtigen Gesprächspartner.

Heimweh und Erfolgsdruck"Gerade in wirtschaftlich angespannter Zeit geht es fernab des Manegenlichts um Identitätsfindung, Konkurrenzdruck, Neid und Einsamkeit", sagt Heller. "Heimweh, der örtliche Abstand zur Familie, der unglaubliche Erfolgsdruck und die große Gefahr eines Unfalls: Das sind die Themen, die Artisten bewegen." Als Pfarrer sei er gefordert, er müsse zuhören: "Im Scheinwerferlicht müssen Gaukler und Artisten immer lachen, auch wenn sie innerlich weinen." Für kirchlichen Beistand sind viele Artisten dankbar. "Sie brauchen jemanden, bei dem sie die Maske auch mal absetzen können."

Um Kontakt zu schließen, nutzt Heller auch die Musik. "Ich bin der einzige katholische Pfarrer, der eine Freundin hat." Gemeint ist Frieda, Hellers Klarinette. Mit ihr spielt er auch auf der Kanzel. Sogar für den Papst hat er schon musiziert. Im Vatikan ist Heller häufiger. Seit mehreren Jahren ist er der Ansprechpartner für Männer, die Mitglied der Schweizer Garde und damit Leibwächter des Papstes werden wollen. Zudem hat er eine Stiftung gegründet, die sich um in Not geratene Artisten kümmert. www.pfarrerheller.ch,www.philipp-neri.ch