Bis hoch an die Decke schillert es in allen Farben. Aus diesen Stoffen zaubert der Syrer Tischdecken, Kissen oder Vorhänge. Als die Rundschau zu Besuch ist, näht er aus einem Stoff mit Blumenmuster einen Tischläufer. "Hier arbeitet man wie ein Mensch. Niemand gibt einem das Gefühl, nutzlos zu sein", erzählt der Schneider.

In Syrien musste alles immer ganz schnell gehen. Mindestens zwölf Stunden pro Tag nähte er ein Abendkleid nach dem anderen. "Der Druck war enorm. Man musste immer Angst haben, dass man rausgeschmissen wird." Denn er kann nicht so schnell arbeiten wie andere. "Ich habe eine Gehbehinderung und bin deshalb ein langsamerer Mensch", sagt Khaled. "Aber", fügt er hinzu, "ich gebe alles. Ich will weitermachen."

Überglücklich ist Khaled deshalb über die Möglichkeit, ein Praktikum im Einrichtungshaus Lübbenau zu machen. Für ihn sind Sprache und Arbeit das Wichtigste für die Integration. Er findet, Flüchtlinge sollten von Anfang an arbeiten gehen können. Dann beginnt die Integration sofort. Auch er saß in den ersten Monaten nach seiner Ankunft in Deutschland untätig herum - unfreiwillig.

Was für Khaled neben Sprache und Arbeit außerdem ein wichtiger Punkt in Sachen Integration ist: ein freundliches Entgegentreten. Denn erst "dann traut man sich auch, zu den Leuten hinzugehen, mit ihnen zu sprechen und Kontakte zu knüpfen", sagt der 30-Jährige, dessen Familie in Syrien geblieben ist.

In Lübbenau werde er gut behandelt und respektiert, "auch mit der Behinderung, auch als Flüchtling". Gerade deshalb möchte er gerne hier bleiben und "einfach nur ein ganz normales Leben führen."