Wer hierher zur Entgiftung kommt, vermag nicht mehr zu täuschen. "Unser Ziel ist es, die Kranken früher zu erreichen", betont die Suchtbeauftragte des Landes, Ines Kluge. "Das ist außerordentlich wichtig, denn vielfach werden Gefährdung und Erkrankung vom Betroffenen, der Familie oder vom Hausarzt zu spät erkannt." Daher unterstütze das Land neue Maßnahmen zur Prävention. Die Frage, warum Menschen süchtig werden, ist noch lange nicht geklärt, wie Stationsarzt Normann Kublik sagt. Typische "Suchtpersönlichkeiten" gibt es nach Ansicht von Experten nicht. Ganz unterschiedliche Menschen stranden in Eisenhüttenstadt. Die tablettenabhängige Rentnerin sitzt beim Mittagessen neben dem alkoholsüchtigen Arbeitslosen, der dem mehrfachabhängigen Mechatroniker die Kartoffeln reicht. Wer bleibe, habe Hilfe nötig, sagt Kublik. Der Entzug reiche nicht aus. Soweit die Patienten nicht in einem Akutzustand mit schweren Entzugssymptomen stehen und ansprechbar sind, wird die Vorgeschichte der Sucht ergründet. Der schmale Pfad aus der Abhängigkeit beginnt beschwerlich: Die Entgiftung zieht sich hin, bis die Patienten frei von Entzugssymptomen sind. Komplikationen wie Krampfanfälle können zwar medikamentös begrenzt werden. Dennoch wehren sich Körper und Psyche dagegen, den gewohnten Zustand zu verlassen. Um motorische Schwächen aufzufangen und die Psyche der Kranken zu stabilisieren, haben Musik- und Ergotherapie, Einzel und Gruppengespräche einen festen Platz im Tagesablauf. Enge Bezugspersonen werden einbezogen. Zehn Tage bis vier Wochen bleiben die Suchtkranken auf der Station. Ihr Aufenthalt endet mit der Empfehlung für die Anschlussbehandlung. Doch Kublik mindert große Erwartungen: "Bei vielen Abhängigen reicht ein Entgiftungsaufenthalt nicht aus, denn auch der Rückfall gehört zum Krankheitsbild."