In Dresden stieg deren Zahl seit 2004 um etwa 1000 auf 35 500. Chemnitz hat laut Stadtverwaltung 28 300 Verkehrszeichen an etwa 17 000 Standorten.

Unfälle mangels Informationen
„In Sachsen werden oft zu wenige Verkehrszeichen aufgestellt“ , kritisiert Reinhold Maier, Professor für Straßenverkehrstechnik an der TU Dresden. Viele Einmündungen und Kreuzungen seien unzureichend ausgeschildert. Deswegen gebe es im Land viele Unfallschwerpunkte.
„In einigen Stadtgebieten mussten Verkehrsschilder neu aufgestellt werden, weil der Verkehr einfach angewachsen ist“ , erklärt der Leiter des Dresdner Straßen- und Tiefbauamtes, Reinhard Koettnitz. In den Wohngebieten seien viele Tempo-30-Zonen eingerichtet worden, die Schilder erforderten. Aus Sicht von Maier könnte es aber gerade in Dresden oft ein Verkehrszeichen mehr sein. „In der Stadt gibt es 380 Punkte mit Unfallhäufungen. An den Stellen fehlen den Verkehrsteilnehmern offensichtlich Informationen.“ Von Modellprojekten, bei denen in den Städte der Schilderwald radikal reduziert wird, hält er wenig. Er fordert von den Kommunen die Einführung eines Verkehrszeichen-Registers mit genauer Dokumentation. Dann könne die Aufstellung der Schilder sachkundig beurteilt werden.
„In Leipzig ist der Bestand in den vergangenen Jahren etwa immer konstant geblieben“ , sagt der Chef des Straßen- und Tiefbauamtes, Christoph Bock. Jährlich werden etwa 3000 Schilder ausgewechselt. In Wartung der Beschilderung habe Chemnitz im vergangenen Jahr rund 100 000 Euro investiert, sagte Stadtsprecherin Christina Schmieder. Darin eingeschlossen seien die Kosten für die Instandsetzung infolge Vandalismus oder Unfällen.
Markus Löffler vom Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) in Sachsen sieht im Freistaat nicht zu viele Verkehrszeichen, „auch wenn der Eindruck auf der Straße bisweilen ein anderer ist“ . Vor allem im ruhenden Verkehr, bei Parkflächen, Park- und Halteverboten könnten viele Zeichen eingespart werden. Aber oft drängten die Anwohner auf Regelungen, um sich ihren Parkplatz vor dem Haus zu sichern.

Projekt probt Schilderlosigkeit
Auch Löffler betrachtet Modellprojekte wie „Shared Spaces“ (Geteilte Räume) im niedersächsischen Bohmte skeptisch, bei denen an einer Stelle im Ort die Verkehrsschilder abgeschraubt und die Trennung zwischen Verkehr und Fußgängern aufgehoben werden soll.
Der Vogtlandkreis will die Zahl der Schilder möglichst klein halten. „Der Verkehr muss rollen“ , sagt Landkreissprecherin Kerstin Büttner. In den vergangenen Jahren seien deswegen viele Verkehrsschilder weggenommen worden. Sogar vor einer Schule wurde das Tempo-30-Schild abmontiert. Die Schüler kämen nur bei Schulbeginn und dem Ende des Unterrichts auf die Straße. „Das ist kein Grund, rund um die Uhr eine Geschwindigkeitsbegrenzung einzuführen.“ Die Fahrer seien zu Rücksichtnahme verpflichtet. (dpa/jt)