Die eisengrau schimmernde Klinker-Fassade dieser drei Gebäudeteile mit den schlanken Fenstern ist ein Blickfang. In der Stadtmitte von Cottbus liegen sie L-förmig angeordnet zwischen der Spree und dem Amtsteich. Arkadengänge im Innenhof und an der Gebäude-Außenseite verstärken den Eindruck, vor einer Kathedrale zu stehen. Was man aber sieht, ist ein Dieselkraftwerk - 1927 erbaut, um Cottbus unabhängig zu machen von der Stromzufuhr des Kraftwerks in Trattendorf bei Spremberg. Unübersehbar ging es den Stadtvätern damals aber auch darum, mit einer auffälligen Architektur in der Stadtmitte Bürgerstolz zu demonstrieren.
Das Diesel-Aggregat tat nur bis in die Mitte der 50er-Jahre Dienst und ist längst demontiert. Für Lärm in dem gut erhaltenen Bauwerk sorgen heute Handwerker. Für 7,5 Millionen Euro lassen die Europäische Union, der Bund, das Land Brandenburg und die Stadt das technische Denkmal umbauen - in ein Kunstmuseum Dieselkraftwerk der Brandenburgischen Kunstsammlungen.

"Eigentlich ein Frevel"
„Was wir machen, ist eigentlich ein Frevel“ , räumte der Berliner Architekt Claus Anderhalten vergangene Woche bei einem öffentlichen Vor-Ort-Gespräch an der Baustelle ein. Denn die neue Nutzung sei der alten „genau entgegengesetzt“ . Statt Dieselaggregat, Umformer- und Schalttechnik soll das Gebäude ab Herbst nächsten Jahres Kunst beherbergen - in sechs Ausstellungshallen, von denen drei als Betonwürfel mit Glasumwandung in die entkernte Hülle eingesetzt werden.
In der Maschinen- und Umformerhalle könne man die Bilder ja nicht so einfach an die Außenwand hängen, erklärt der Architekt. Die Ausstellung würde sonst wichtige Teile des Denkmals verbergen. Hinzu komme: In einem Gebäude, das früher die Hitze der Maschinen möglichst gut nach außen abstrahlen lassen sollte, müssten jetzt gemäldefreundliche Temperatur- und Luftfeuchtigkeitswerte hergestellt werden.
Die Denkmalschützer des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege sahen das ein. Was sie aber nur zähneknirschend hinnehmen, ist der Abriss einer Zierwand an der Südseite, die Hallen und Schalthaus verbindet. Sie macht einem gläsernen Eingang ins ebenfalls mit Glas überdachte Museumsfoyer Platz, von wo aus die Besucher links in die Ausstellungsräume der Maschinen- und Umformerhalle, rechts in die des Schalthauses gehen können.
Eingang statt Zierwand, mitten hinein in die geschlossen komponierte Gebäude-Rückseite - das breche den genialen Fassaden-Entwurf des seinerzeit berühmten Berliner Architekten Werner Issel auf, so Denkmalschützer Robert Graef rath vom Landesamt. Zumal Anderhalten noch Glasaufbauten für die Hallendächer vorsieht. Der Architekt wehrt sich: „Einen Umbau muss man auch sehen können, er muss Zeichen setzen.“

"Einzigartig in Brandenburg"
„Wir haben uns sehr bewegt“ , sagt Graefraths Kollege Matthias Baxmann mit Blick auf die Architektenpläne für das Dieselkraftwerk. Baxmann hält den Umbau des technischen Denkmals in Cottbus für „einzigartig in Brandenburg“ . Einer solchen architektonischen Herausforderung habe sich noch niemand gestellt. Museen in denkmalgeschützten Kraftwerken - Anfang des 20. Jahrhunderts oder früher erbaut - seien in der einstigen Energie-Versorger-Region Lausitz keine Seltenheit. Baxmann nennt das Peitzer Hütten- und das Forster Textilmuseum, die Brikettfabrik in Domsdorf und das Kraftwerk Plessa (Elbe-Elster), das teils zum Museum, teils für Gewerbezwecke ausgebaut werden soll. Doch anders als diese Museen in technischen Denkmälern stelle das Dieselkraftwerk nicht nur sich selbst aus, sondern eine Kunstsammlung, die höchste Anforderungen an das Gebäude stellt. Baxmanns Kollege Stephan Klaus vom sächsischen Landesamt für Denkmalpflege muss lange überlegen, bevor ihm ein vergleichbares Umbau-Projekt einfällt: Im Dachstuhl des Pochwerkes in Altenberg (Weißeritzkreis) aus dem 17. Jahrhundert sei gleichfalls ein klimatisierter Ausstellungsraum nach dem Raum-im-Raum-Prinzip eingesetzt worden.

Fabrik heute ein Einkaufszentrum
Daneben gebe es im Mutterland des Industriebaus mit rund 7500 technischen Denkmälern eine Fülle beeindruckender Umnutzungen. Die Maschinenfabrik in Aue (Kreis Aue-Schwarzenberg) beherbergt heute ein Einkaufszentrum, die Brikettfabrik in Borna (Kreis Leipziger Land) Wohnungen. Bekanntestes Industriedenkmal-Museum der Oberlausitz sei die Brikettfabrik in Knappenrode nahe Hoyerswerda - 1992 von der LMBV saniert und im gleichen Jahr als Museum genutzt. Heute profiliere sich das Haus auch als stimmungsvoller Ort für Veranstaltungen.

Hintergrund Liste der Denkmäler wird immer länger
  Die Liste technischer Denkmäler - vom Kraftwerk über den Bahnhof und die Mühle bis zur Brücke - wird immer länger. Allein in diesem Jahr wurden laut dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (BLDAM) bislang in Brandenburg zehn weitere technische Bauwerke unter Denkmalschutz gestellt, darunter eine Ziegelgewölbe-Brücke in Finsterwalde und eine Betonbogen-Brücke in Arnsnesta bei Herzberg (Elbe-Elster).
Hinweise für die Erhaltungswürdigkeit und -fähigkeit bestehen auch für die Fähre in Mühlberg (Elbe-Elster) sowie für zwei Wehranlagen ebenfalls in Arnsnesta, so das BLDAM.