Zwar ist Isabel dos Santos, die erste Milliardärin Afrikas, gar keine Politikerin, aber sie ist die Lieblingstochter eines der am längsten herrschenden Präsidenten der Welt. Ihr Vater, Angolas Staatschef José Eduardo dos Santos dominiert seit 1979 das diamanten- und ölreiche Land.

Als Isabel dos Santos 2003 den kongolesischen Kunstsammler Sindika Dokolo heiratete, wurde in Luanda spektakulär Hochzeit gefeiert. Das Fest mit etwa 1000 Gästen soll vier Millionen Dollar gekostet haben. Die heute 39-jährige Präsidententochter hat in London, wo ihre Mutter lebt, Management und Elektrotechnik studiert. Schon mit 24 Jahren begann ihre Karriere als Geschäftsfrau. Von Anfang an profitierte sie vom Status als Tochter des mächtigsten Mannes im Lande: Mit ihrer Firma Urbana war sie für die "Reinigung und Desinfektion" der chronisch verdreckten Hauptstadt Luanda zuständig. 2006 durfte sie auf der Vergnügungshalbinsel Ilha de Luanda mit dem "Miami Beach Club" einen der ersten Nachtclubs Angolas eröffnen. Die umtriebige Geschäftsfrau beteiligte sich am Diamantenhandel, investierte in Finanzgeschäfte, Energiebranche, Baugewerbe, Telekommunikation und Medien. Sie wurde die zentrale Figur für die umfangreichen Beteiligungen der dos Santos, vor allem auch in der alten Kolonialmacht Portugal.

Heute wird Isabel dos Santos, die ähnlich wie ihr Vater grundsätzlich nicht mit freien Medien spricht, seltener in der Öffentlichkeit gesehen. Die Mutter von drei Kindern pendelt mit ihrem Mann zwischen luxuriösen Wohnsitzen in Luanda, London, Lissabon and Johannesburg. Die erste Milliardärin Afrikas wird wissen, warum sie sich in ihrer Heimat nicht öffentlich feiern lässt. Der Afrika-Experte Peter Lewis von der Johns Hopkins Universität in Baltimore bestätigt, was fast jedermann in Angola weiß: Für den Reichtum der Präsidentenfamilie gibt es keine Erklärung, von der die Öffentlichkeit wissen darf. Die überwältigende Mehrheit der Menschen in Angola lebt von weniger als zwei Dollar pro Tag.