1905 war das Denkmal für Friedrich den Großen eingeweiht worden, Letschiner Bürger hatten für die knapp drei Meter hohe Bronzefigur gespendet, als Zeichen ihrer Verehrung für den Preußenkönig und seine Verdienste um die Trockenlegung des Oderbruchs vor 260 Jahren.
Seitdem ist das 515 Kilogramm schwere Denkmal schon mehrfach umgezogen, sodass die Letschiner bereits scherzhaft von ihrem "Stehaufmännchen" sprechen. Gerade erst hat ein Kran den Alten Fritz nach wochenlanger Res-taurierung wieder auf den Granitsockel gehoben. Der ist allerdings im Vergleich zum bisherigen Standort um gut 60 Meter ostwärts "gewandert" - direkt vor die Kneipen-Fenster von Wolfgang Bartsch. Der gebürtige Berliner ist glühender Preußen-Fan, sein Gasthaus "Zum Alten Fritz" erinnert an ein Museum und hat bei geschichtsinteressierten Zeitgenossen inzwischen Kultstatus.

Wundersame Rettung
Bartsch hat den von ihm so verehrten Monarchen jetzt fest im Blick und wacht mit Argusaugen darüber "dass ihm nichts passiert". Schließlich sei es ein Wunder, dass die mehr als 100 Jahre alte Bronzefigur überhaupt noch existiere. Gern erzählt der Kneiper neugierigen Gästen, was es mit der wundersamen Rettung des Alten Fritz von Letschin auf sich hat. Als "preußisch-militärischer Schrott" sollte es nämlich nach dem Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen werden.
Doch bevor ihnen andere zuvorkommen konnten, hievten historietreue Letschiner das Denkmal bei Nacht und Nebel vom Sockel und versteckten es in einer Scheune hinter Gurkenfässern. Anlässlich der 650-Jahrfeier Letschins 1986 holten einheimische Preußen-Fans - unter ihnen Bartsch - den von ihnen noch immer verehrten Monarchen wieder aus der Versenkung. Mut gemacht hatte ihnen, dass das große Friedrich-Denkmal in Berlin seit sechs Jahren wieder an seinem angestammten Platz Unter den Linden stand. Bis in die ländliche Provinz an der Oder reichte die staatlich genehmigte Preußenannäherung offenbar jedoch nicht.
"Bei uns stand der Alte Fritz nur für einen Tag, denn der Rat des Bezirkes Frankfurt ließ ihn sofort wieder abmontieren", erinnert sich der gebürtige Berliner Bartsch. Erst 1990 kehrte das Denkmal in die Ortsmitte Letschins zurück, sein angestammter Platz auf dem Dorfanger war allerdings schon besetzt. Der Original-Sockel wurde angesichts der jahrzehntelangen Abwesenheit des bronzenen Preußenkönigs von den Russen für ein Ehrenmal mit Rotem Stern zur Erinnerung an gefallene Sowjetsoldaten genutzt.
Dort, wo das Denkmal seit 18 Jahren stand, entsteht jetzt für die neue Ortsdurchfahrt ein Kreisverkehr. Inmitten der Abgase ausstoßenden und lärmenden Fahrzeuge wollten die Letschiner ihren Alten Fritz jedoch nicht stehen haben. "Das wäre seiner unwürdig", sagt Bürgermeister Michael Böttcher. Der Ortsbeirat suchte lange nach einem geeigneten Ausweichquartier. Zurück auf den Dorfanger an seinen ursprünglichen Platz konnte der bronzene Preußenkönig nicht. Ein entsprechendes Gesuch von Bartsch hatte das Brandenburger Innenministerium mit Hinweis auf die Verpflichtung zur Pflege russischer Kriegsgedenkstätten abgelehnt.

Standort vor der Kneipe
Nach langem Hin und Her war schließlich der Standort vor der Kneipe gefunden. Durch die Straßen-Neugestaltung ist dort ein zusätzlicher Platz entstanden, der auch für Veranstaltungen des Ortes genutzt werden soll. Der Gastwirt werkelt an der Seite des Areals zudem gerade an einem Biergarten. "Deswegen haben wir uns für diesen repräsentativen Standort entschieden. "Der Alte Fritz steht künftig mittendrin im dörflichen Trubel", sagt der Bürgermeister. Schließlich sei das Letschiner Wahrzeichen nicht nur identitätsfördernd, sondern auch ein Touristenanziehungspunkt, vor allem für geschichtsinteressierte Besucher.
"Ich bin froh, dass Friedrich II. wieder auf seinem Sockel steht", sagt ein Anwohnerin, die das Wiederaufstellen des Denkmals per Kran wie viele andere gespannt beobachtet hat. "Der gehört einfach hierher", bekräftigt eine andere Nachbarin. Gemeinsam mit Gästen des Ortes feiern die Letschiner am 1. Juni, dem kommenden Sonntag, die Wiedereinweihung ihres Alten Fritz zünftig mit Preußengarde und Königlich Preußischer Artillerie.