Er ist Schauspieler, Kabarettist und Buchautor - und in Polen einer der bekanntesten Deutschen. Dabei hat er sich in der polnischen Öffentlichkeit seit Jahren eher rargemacht.

Doch seine Beliebtheit, die er als Darsteller eines deutschen Kartoffelbauers in der polnischen Fernsehserie "M jak milosc" (L wie Liebe) erlangte, hält an. Von 2002 bis 2007 war Möller darin Seriendarsteller. Und wenn er in Warschau heute unterwegs ist, wird er nach wie vor erkannt.

Der 1969 in Wuppertal geborene Steffen Müller, sein genaues Geburtsdatum verrät er nicht, studiert seit Jahren die Eigenheiten von Deutschen und Polen - ihre Gemeinsamkeiten und die Mentalitätsunterschiede, die manchmal für Missverständnisse und Frust im binationalen Miteinander sorgen. Zuletzt veröffentlichte er mit "Viva Warszawa" einen Warschau-Reiseführer.

Mit einem Wohnsitz in Warschau und einem in Berlin ist Möller ein Pendler zwischen Ost und West, vorzugsweise mit dem Berlin-Warszawa-Express. In Deutschland gilt er mittlerweile als Polenerklärer - und für seinen Beitrag zur Völkerverständigung gab es 2005 das Bundesverdienstkreuz. Als er im Januar auch mit dem Richard-von-Weizsäcker-Preis der deutschen Nationalstiftung ausgezeichnet wurde, sagte Alt-Bundespräsident Horst Köhler, Steffen Möller sei ein Vorbild für den humorvollen und aufgeschlossenen Umgang mit der eigenen und der polnischen Nation und nannte ihn einen "Botschafter beider Länder außerhalb des diplomatischen Dienstes".

"Er hat in die deutsch-polnischen Kontakte das Gefühl familiärer Vertrautheit eingeführt", lobte auch Jerzy Marganski, polnischer Botschafter in Berlin. Weniger diplomatisch, aber ähnlich positiv, sind Reaktionen auf polnischen Serien-Fanseiten: "Er ist ein Schwabe (in Polen üblicherweise eher abfälliger Spitzname für Deutsche), den ich respektieren kann", heißt es da etwa, während ein anderer Kommentator gleich die Aufarbeitung historischer Stereotypen geschafft sieht: "Dank Steffen werden Deutsche nicht mehr pauschal als Nazi-Nachkommen wahrgenommen."

Manchmal sieht Möller sich als eine Art Eheberater - deutsch-polnische Ehen gehören nach Angaben des Statistischen Bundesamtes schließlich zu den besonders häufigen binationalen Verbindungen in Deutschland. Und so manche Polin dürfte ihre Beziehung wiedererkennen, wenn Möller über deutsche Ehemänner schreibt, die nicht mit Blumen am Bahnhof warten und mit Komplimenten geizen.

In den 90er-Jahren kam Möller als Deutschlehrer nach Polen - und meisterte im Laufe der Jahre nicht nur die Tücken der polnischen Sprache, sondern auch die Fettnäpfchen im deutsch-polnischen Miteinander. Er tourte mit einem polnischsprachigen Kabarett durch das Land und half mit der Beschreibung von Stereotypen, den Nachbarn besser kennenzulernen, wenn etwa deutsche Planungswut und polnisches Improvisationstalent aufeinanderstoßen.

"Alle behaupten immer, ich sei der große Polenversteher, dabei bin ich auch kritisch", versichert Möller. Als Serien-Deutscher, der auf der Suche nach Wohlstand und Liebe wiederholt Schiffbruch erleidet, gewann Möller Sympathien der polnischen Fernsehzuschauer.

Denn der vom Pech verfolgte Kartoffelbauer Stefan Müller entsprach so gar nicht dem Stereotyp des smarten Wendegewinnlers, der den Polen beibringen will, wie die Dinge laufen müssen.

Seit Jahren beschreibt Möller in seinen auf Deutsch und Polnisch veröffentlichten Büchern nicht nur Land und Leute, sondern auch die Mentalitätsunterschiede, die manchmal für Missverständnisse sorgen können. Etwa wenn die deutsche Neigung zu direkter Kritik und eher konfrontativer Argumentation von den Polen als aggressiv und persönlich verletzend wahrgenommen wird.

Oder wenn Polen mit langatmigen, weit vorausschauenden Planungen so überhaupt nichts anfangen können, weil ohnehin alles anders kommt und am Ende irgendwie klappt. "Aber eigentlich gibt es für Deutsche in Polen ja nur zwei Fettnäpfchen", betonte Möller vor Kurzem bei einer Autorenlesung in Warschau. "Wenn Deutsche in Polen die Geschichte des Zweiten Weltkriegs völlig ignorieren, weil das aus ihrer Sicht schon so lange her ist. Oder, wenn sie sofort alle Gedenkstätten und Konzentrationslager abklappern wollen und das moderne Polen völlig ignorieren."