Alles, was jetzt zählt, sind die Pegelstände. "Bis 8,65 Meter geht's noch. 20 Zentimeter mehr und es läuft zur Tür rein”, sagt der Wirt vom Café am Stadtpark. Das Schlimmste in diesen Tagen des Hochwassers sei die Ohnmacht. Nichts tun zu können und nicht zu wissen, wie weit das Wasser diesmal kommt.
Im August 2002 stand die Jahrhundertflut in seinem Café bis unter die Decke. "Wir haben alles verloren”, erzählt Füssel. Diesmal hat er alles gerettet, was ging: Möbel, Lebensmittel, Kühlaggregate. Schrecklich sei das Gefühl dennoch, bedrückend die Stimmung. "Darüber reden hilft”, sagt er dann und überhaupt: Noch sei der hohe Stand der Elbe ja fast normal. Doch der Schock von vor vier Jahren sitzt den Menschen tief in den Knochen. Und die Sächsische Schweiz hat am Mittwoch Katastrophenalarm ausgelöst.
Hunderte Menschen haben bereits die Flucht ergriffen, sind bei Verwandten und Freunden oder in einer Sebnitzer Turnhalle und einer Pirnaer Berufsschule untergekommen. Inzwischen sind die ersten Häuser, Gärten und Garagen überflutet, Schiffsanleger ragen aus dem Fluss. Straßen in Bad Schandau, Pirna und anderen Orten sind gesperrt. Für einige Häuserblocks wurden Strom und Gas abgestellt.
Am Markt in Bad Schandau sind die Häuser verrammelt, die Erdgeschosse leer geräumt, auf den Straßen ist Stille eingekehrt. Die Apotheke hält den Notbetrieb an einem Seiteneingang aufrecht. Die Feuerwehr pumpt die Durchgangsstraße frei und legt Sandsäcke vor evakuierten Häusern ab, auf einer Baustelle füllen Freiwillige Sand in Säcke ab.
Zwar sind die Pegelstände von 2002 längst nicht erreicht, auch die Prognosen bleiben deutlich unter den Rekordmarken. Doch die Werte steigen weiter: Für heute wird die vorerst höchste Alarmstufe erwartet. Das Hochwasserzentrum rechnet bis zum Abend mit einem Elbpegel von bis zu 8,50 Meter in Schöna, in Dresden mit bis zu 7,60 Meter. Und damit nicht genug: Die Experten sehen auf tschechischer Seite noch kein Ende des Anstiegs. Weitere Regenfälle und die Schneeschmelze drohten die Lage weiter zu verschlechtern.
Sollten die Prognosen eintreffen, wird es auch wieder Dresdner Wohngebiete erwischen. Ihre Bewohner und die Feuerwehr beginnen bereits, die Häuser zu sichern. Ab einem Pegelstand von 7,40 Metern lasse sich Gohlis "nicht mehr halten", heißt es. Die Evakuierung zweier Pflegeheime wird in Betracht gezogen. Die ersten Straßen und Häuser am Ufer wie die Brühlschen Terrassen stehen schon unter Wasser.
Mehrere Landesminister machen sich auf ins Krisengebiet, erkunden die Lage und sagen Hilfe zu. Die Situation sei angespannt, aber noch keine Katastrophe, sagt Umweltminister Stanislaw Tillich (CDU). Betroffene Betriebe könnten auf Unterstützung des Landes hoffen, sagt Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD).