auf die Kritik der Bundeskanzlerin erwartet hatte, wurde enttäuscht. Mit sichtlichem Genuss am Erklären erläutert Benedikt XVI. in seiner Katechese ausführlich die Rolle des Apostels Paulus. Dabei weicht er gern vom Redemanuskript ab, um seine Interpretation den Zuhörern mit erhobenem Zeigefinger besonders deutlich zu machen. Und wie jeden Mittwoch äußerte der Papst sich auch diesmal zu aktuellen politischen Fragen: Er fordert die Konfliktparteien in Sri Lanka auf, die Menschenrechte der Zivilbevölkerung zu achten und humanitäre Hilfen zu ermöglichen. Damit endet der Ausflug in die Aktualität. Forderung an Williamson Das vatikanische Staatssekretariat bereitet unterdessen eine Note vor, die den traditionalistischen Bischof Richard Williamson auffordert, die Leugnung des Holocausts „absolut unmissverständlich und öffentlich“ zurückzunehmen. Andernfalls werde er nicht als Bischof in der katholischen Kirche anerkannt. Nach dem Kirchenrecht hatte er sich die von Benedikt XVI. kürzlich aufgehobene Exkommunikation zugezogen, indem er sich 1988 ohne päpstliche Zustimmung zum Bischof der Pius-Bruderschaft weihen ließ. Der Vatikan stellt durch das Staatssekretariat nun dem Bischof, der für internationale Proteste sorgt, und der Pius-Bruderschaft, der er angehört, klare Bedingungen. Nur wenn sie die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils und die Autorität des Papstes anerkennen, dürfen sie künftig legal katholische Messen feiern. Der Papst selbst hatte bereits in der vergangenen Woche Williamsons Äußerungen verurteilt und damit ein ungeschriebenes Gesetz gebrochen. Danach reagiert der Papst nicht öffentlich auf Kritik an seiner Person oder dem Verhalten des Vatikans. Jubel einer Berufsschulklasse Unbeeindruckt vom Streit um die Pius-Bruderschaft jubelt auch eine deutsche Berufsschulklasse, als sie bei der Generalaudienz eigens begrüßt wird. Für einen jungen Moslem stellt die Aufhebung der Exkommunikation des traditionalistischen Bischofs und Holocaustleugners Richard Williamson kein Problem dar. Einer seiner Mitschüler findet die päpstlichen Äußerungen zum Thema „deutlich genug“. Nach Auffassung ihres Lehrers ist die Aufhebung der Kirchenstrafe für Williamson und andere Holocaustleugner dagegen eine Blamage für die katholische Kirche. Benedikt sei machtbesessen. Bereits die Aufwertung der alten lateinischen Liturgie mit dem für Juden weiterhin beleidigenden Karfreitagsgebet hält er für untragbar. Italiener unter den Audienzbesuchern würden den Papst schon aus Prinzip nicht kritisieren. Nach der christlichen Lehre müsse Schuldigen schließlich vergeben werden, sagt eine Rentnerin. Dabei stehe außer Frage, dass der Holocaust ein Verbrechen gewesen sei, das niemand leugnen dürfe. Ein Mittdreißiger pflichtet ihr bei. Eine Deutsche, die mit einer Pilgergruppe in Rom ist, kann es kaum glauben, dass die katholische Kirche Holocaustleugner wieder aufnimmt. „Wenn das stimmt, werde ich austreten“, sagt die Frau aus Iserlohn. Gemeinsam mit ihrem Mann und ihren Söhnen werde sie wohl in die evangelische Kirche eintreten.