Er werde sein Pontifikat am 28. Februar abgeben, sagte der 85-jährige Joseph Ratzinger am Montag vor Kardinälen in Rom. Weltweit wurde die Entscheidung mit großer Überraschung, aber auch mit höchstem Respekt aufgenommen. Noch vor Ostern soll ein Nachfolger gewählt sein. Der deutsche Papst ist seit fast acht Jahren Oberhaupt von mehr als einer Milliarde Katholiken .

In seiner Ansprache sagte Benedikt in lateinischer Sprache, er spüre das Gewicht der Aufgabe, dieses Amt zu führen, habe lange über seine Entscheidung nachgedacht und sie zum Wohl der Kirche getroffen. Wörtlich sagte der Papst: "Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben." Nach den Worten von Vatikansprecher Federico Lombardi könnte bis Ostern ein neuer Papst gewählt sein. Zuletzt hatte 1294 ein Papst aus freien Stücken sein Amt abgegeben. Das war Coelestin V.. 1409 wurde Gregor XII. abgesetzt, trat aber erst sechs Jahre später zurück.

Na ch dem Ende seiner Amtszeit wird Benedikt in ein Kloster im Vatikan umziehen. Bevor er dort einziehen könne, müssten noch Umbauarbeiten abgeschlossen werde, sagte Lombardi. Dort wolle Benedikt ein Leben in Gebet und Meditation führen. Für die Übergangszeit werde er in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo bei Rom wohnen. Auf dem Petersplatz in Rom herrschte nach der Ankündigung Benedikts ungläubiges Staunen unter den Touristen und Gläubigen .

Respekt und Hochachtung

Bu ndespräsident Joachim Gauck reagierte sichtlich bewegt auf den Rücktritt. Für die historisch höchst seltene Entscheidung "sind großer Mut und Selbstreflexion nötig. Beides findet meinen außerordentlichen Respekt", sagte Gauck in Berlin. "Sein Glaube, seine Weisheit und seine menschliche Bescheidenheit haben mich tief beeindruckt ."

Auch die Bundesregierung in Berlin reagierte bewegt und mit Respekt auf die Ankündigung. Kanzlerin Angela Merkel würdigte Benedikt als einen der bedeutendsten religiösen Denker der Gegenwart. "Wenn der Papst selbst jetzt nach reiflicher Prüfung zu dem Entschluss gekommen ist, seine Kraft reiche nicht mehr für die Ausübung seines Amtes, so hat das meinen allerhöchsten Respekt", sagte Merkel. Im Zeitalter des immer längeren Lebens könnten viele Menschen nachvollziehen, dass sich auch der Papst mit den Bürden des Alterns auseinandersetzen müsse.

D er Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, nannte den Rücktritt eine "große menschliche und religiöse Geste". "Papst Benedikt gibt aller Welt ein leuchtendes Beispiel wirklichen Verantwortungsbewusstseins und lebendiger Liebe zur Kirche." Der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt erklärte gegenüber der RUNDSCHAU: "Ich habe großen Respekt davor, dass ein Mann aus einer solchen Aufgabe wieder ins zweite Glied zurückgehen kann ." thema des tages Seiten 2 & 3