In Europa ist die katholische Kirche derzeit heftiger Kritik ausgesetzt, in Afrika dagegen steht sie anhaltend hoch im Kurs. Entsprechend große Hoffnungen setzt Rom in die Gläubigen des schwarzen Kontinents, den Papst Benedikt XVI. nun erstmals als Kirchenoberhaupt bereist. Am kommenden Montag wird er in Rom zurückerwartet. Ziel der Papst-Reise ist es dem Vatikan zufolge, dem von Kriegen, Krankheit und Hunger gequälten Kontinent eine Botschaft der Hoffnung und Versöhnung zu bringen. Während die Zahl der Katholiken in Europa stagniert und in Amerika sogar leicht zurückgeht, verzeichnet die katholische Kirche in Afrika weiter Zuwachsraten - 1978 waren zwölf Prozent der Afrikaner Katholiken, 2006 bereits 17 Prozent, und 2007 wuchs ihre Zahl um weitere drei Prozent. Das ist angesichts der Konkurrenz durch den Islam oder durch Pfingstler-Gemeinden beachtlich. Benedikt XVI. hat 2009 unter das Motto Afrika gestellt - allerdings habe der Papst bislang noch kein besonderes Interesse für den Kontinent erkennen lassen, kritisiert etwa der Generalobere des Missionsordens Weiße Väter, Gérard Chabanon. Dabei stehe der Kontinent für starke Dynamik, und das gelte nicht nur für die zahlenmäßige Entwicklung bei den Kirchenmitgliedern. Die Gemeinden seien von einer "großen Vitalität" geprägt, betont er - auch wenn es erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern gebe. So sei die katholische Kirche in Kamerun und Angola ebenso wie in der Demokratischen Republik Kongo, in Elfenbeinküste, Ruanda und Tansania gut etabliert und verfüge über feste Strukturen. In anderen Staaten seien missionarische Anstrengungen gefragt. In Kameruns Hauptstadt Jaunde will der Papst sich mit Kirchenvertretern aus 52 afrikanischen Ländern treffen. Mit ihnen will er über eine für Oktober geplante Afrika-Synode beraten, bei der es um den Beitrag der katholischen Kirche zu Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden auf dem Kontinent gehen soll. Ein 2006 veröffentlichtes Arbeitspapier zu der Synode betonte, die Afrikaner müssten sich stärker als bisher selbst für das Wohl ihres Kontinents verantwortlich fühlen. Sie dürften nicht länger darauf setzen, dass allein der Norden die Lösung aller Probleme biete. In der angolanischen Hauptstadt Luanda ist ein Treffen Benedikts XVI. mit Diplomaten geplant: Der Papst dürfte hierbei an die Staatengemeinschaft appellieren, Afrika nicht im Stich zu lassen. Auch Begegnungen des Papstes mit Politikern beider Staaten sowie mit Vertretern der Muslime, von Hilfsorganisationen und Frauengruppen stehen auf dem Programm. Den Gläubigen wird sich Benedikt XVI. vor allem bei zwei Messen unter freiem Himmel zeigen - einer in Jaunde am Donnerstag und einer in Luanda am Sonntag. Zu einer Begegnung mit Jugendlichen in Luanda werden Tausende Teilnehmer erwartet. Benedikt XVI. hat Afrika bislang erst einmal bereist, und zwar noch in seiner Funktion als Kardinal im Jahr 1987: Damals besuchte er Zaire, das heute Demokratische Republik Kongo heißt. Es ist die elfte Reise von Papst Benedikt XVI. außerhalb Italiens. Sein sehr reisefreudiger Vorgänger Papst Johannes Paul II. absolvierte während seines Pontifikats 16 Afrika-Reisen, in denen er insgesamt 42 Länder besuchte.