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Der Osten arbeitet länger als der Westen

Erfurt. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sieht in der deutlich geringeren Tarifbindung im Osten Deutschland einen Grund, weshalb Ostdeutsche länger arbeiten als Westdeutsche. Nur jeder zweite Erwerbstätige falle im Osten unter einen Tarifvertrag, sagte der stellvertretende Vorsitzende des DGB Hessen-Thüringen, Sandro Witt, am Montag. dpa/roe

"Wer weniger verdient, ist mitunter gezwungen, mehr zu arbeiten." Der Mindestlohn von 8,50 Euro habe nicht dazu beigetragen, das Gefälle bei den Arbeitszeiten aufzuweichen, beklagte der Gewerkschafter.

Laut einer Untersuchung haben die Beschäftigten in Ostdeutschland im vergangenen Jahr zwei Wochen länger gearbeitet als ihre Kollegen in den alten Bundesländern. Die Erwerbstätigen im Osten kamen auf 1436 Stunden, im Westen auf 1359, wie die "Thüringer Allgemeine" (Samstag) berichtete. Das Blatt berief sich auf Daten des Arbeitskreises Erwerbstätigenrechnung des Bundes und der Länder.

Die Gewerkschaft fordert als Konsequenz, die Zahl der Betriebe mit Tarifbindung müsse deutlich steigen. Nach Ansicht des DGB gibt es in Ostdeutschland "sehr viel unnötige Sonntagsarbeit" im Gegensatz zum Westen. Sämtliche Dienstleistungen, die nicht mit dem Menschen im Zusammenhang stünden, sollten nicht sonntags verrichtet werden, forderte Witt. "Sonntagsarbeit trägt dazu bei, dass die Arbeitszeit auf das Jahr gerechnet steigt." Im Osten würden Unternehmen zu wenig kontrolliert, beklagte der Gewerkschafter.

Der Ost-West-Abstand von etwa zwei Wochen besteht seit Jahren. Nach Auswertung der Zahlen von 2015 ist der Abstand zwischen ost- und westdeutschen Erwerbstätigen um weitere fünf Arbeitsstunden angewachsen (2014 Ost: 1427; West: 1355).

Die längste durchschnittliche Jahresarbeitszeit je Erwerbstätigen gab es demnach in Thüringen mit 1454 Stunden, gefolgt von Brandenburg (1444) und Sachsen-Anhalt (1431). Die niedrigsten Werte wurden für Nordrhein-Westfalen und das Saarland (jeweils 1335) ermittelt.