Sein Vater fand die Idee damals gut. "Man muss das Eisen schmieden, solange es heiß ist", so der Kommentar des Unternehmers an den Sohn. Johann Ruttloff war 21 und wollte keine halben Sachen machen. Er schmiss sein Modedesign-Studium, gründete eine Firma und verlegte sich voll auf die Jeans. Das war 2010. "Das Interesse ist seitdem nicht schwächer geworden", sagt Ruttloff.

In seinem Atelier in der Dresdner Lößnitzstraße sitzt der junge Schneider zwischen Dutzenden alter Maschinen. Eine für jeden Stich, der eine gute Jeans zusammenhält. Solides, verlässliches Alteisen, gut geölt und stark genug, um ein Zirkuszelt zusammenzunähen. Alles Restposten aus alten sächsischen Tuchwerkstätten. Über Kontakte aus der Kreativen-Szene "kommt man mal an einen alten Mann, der noch so eine Maschine zu Hause stehen hat", sagt Ruttloff. Mit jedem Geld, das er verdient hat, schaffte er eine neue an. In die Mechanik hat er sich mit der Zeit reingefitzelt.

Auf dieser eigenen Produktionsstraße entstehen 20 bis 30 Jeans der pro Woche. Der junge Meister entwirft selbst, nimmt selbst Maß, fertigt selbst. Beigebracht hat ihm das keiner, abgesehen vom Schnittzeichnen, das er bei seinem Kurzaufenthalt im Modedesign-Kurs auf Burg Giebichenstein gelernt hat. Ruttloff ist Autodidakt im Dienst der perfekten Hose.

Alles begann mit Eigenbedarf. "Ich hatte keine Lust, groß einkaufen zu gehen." Die Jeans von der Stange waren sowieso nicht seine Sache. Also kreierte er seine eigene. Dann wollte ein Freund auch eine haben, dann ein Freund des Freundes. Die frühen Werke aus dieser Zeit, nun ja, waren halt Probierstücke. Würde er heute so nicht mehr verkaufen. Die Kunden vermehrten sich trotzdem.

Mit der Zeit hat er sich reingearbeitet in die Anatomie der Hose. Hat seine alten Jeans zerschnitten und untersucht. Hat Gesäßformen studiert und lange, lange das Einlegen von Reißverschlüssen geübt. Das Ergebnis ist ein Wissensschatz über die Substanz des Design-Klassikers, die als unkaputtbare Arbeitshose für Goldschürfer begann.

Die Firma Ruttloff-Garments legt Wert aufs Detail. Am Sattel - das abgesetzte Stück überm Hintern - müssen die Nähte gut zueinander stehen. Die Webkante muss am Umschlag gut sichtbar sein. Dezent versteckt indes das Label, Ruttloff näht es unter die Taschen, als "ein Stück Understatement". Ganz wichtig auch stabile Vordertaschen, in die der Hipster seine Hände stemmt, wenn er auf charmant macht.

Ruttloffs Kunden sind nicht nur die so genannten Hipster. Wer eine Hose für 390 Euro aufwärts kauft, braucht Sinn für das Besondere. Drei Jahre Garantie gibt der Meister auf seine Produkte. Er näht sie aus japanischem Denim-Stoff, der so stark ist, wie der Kunde es wünscht. Der stärkste Stoff, den er verwendet, ist so stark, dass die Hose von allein steht. Ein solches Werk sollte drei Monate eingetragen werden ohne zu waschen.

Der Atelier-Komplex hinterm Neustädter Bahnhof, wo Ruttloff seine Schneiderei hat, bietet nicht nur günstigen Mietraum, sondern gutes kreatives Netzwerk. Der Webdesigner von nebenan entwarf für Ruttloff-Garments ein Corporate-Design mit Online-Auftritt und Markenzeichen. Doch immer läuft das Geschäft größtenteils über die Werbung vom Kunden zum Kunden. Klar könne er immer noch mehr produzieren, sagt er. Aber er will sich Zeit nehmen, er möchte Einzelunternehmer bleiben und hochwertige Produkte machen. Zehn Stunden pro Tag im Atelier, dazu gute Musik und sein eigener Chef sein. "Das ist der Manufakturgedanke für mich." Mitarbeiter einstellen könne er ohnehin nicht. Kunsthandwerk brauche eben den Kunsthandwerker. Er will auch nichts anderes machen als seine Hosen. "T-Shirts bedrucken wäre keine Lebensaufgabe", ist er überzeugt, "die Jeans schon."