Ärger hat der Minister auch in Ostsachsen: Der Landkreis Kamenz will lediglich mit Hoyerswerda zusammengehen, nicht aber mit Bautzen. Grund ist die Angst vor dem Verlust des Kreissitzes. Die anderen beiden Partner haben sich jedoch schon für ein solches Trio entschieden. Zudem hat Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) in seinem Wahlkreis ein Machtwort gesprochen. Tenor: Kamenz mit Hoyerswerda allein reicht nicht aus. Der Kreis Löbau-Zittau strebt indes nach Bautzen, obwohl eine Fusion mit dem Niederschlesischen Oberlausitzkreis geplant ist und auch vom Landrat in Niesky gewollt wird.
Der schärfste Gegenwind weht derzeit aus Torgau, wo Landrat Robert Schöpp (CDU) eine Klage gegen das Reformmodell in Erwägung zieht. Torgau wehrt sich strikt gegen eine Zwangsheirat mit dem Kreis Delitzsch. Der Kreistag hatte sich stattdessen für eine Ehe mit dem Muldentalkreis und Döbeln ausgesprochen. Doch die Döbelner sind nicht mehr zu haben: Die Mehrheit der Kreisräte sprach sich am Ende doch für den Kreis Mittelsachsen mit Freiberg und Mittweida aus.
"Wir nehmen die Androhung von Herrn Schöpp durchaus ernst”, lässt Minister Buttolo wissen, gibt sich seiner Sache aber dennoch sicher: "Ich lasse mich nicht von meinem Weg abbringen. Und das bedeutet ein Festhalten an meinem Vorschlag”, sagt Buttolo. Experten rechnen damit, dass eine Klage Torgaus zwar als Fußnote in der Kreisreform bis zur Entscheidung der Gerichte präsent bleibt. Doch völlig ausgehebelt würde sie nicht. Schlimmstenfalls, so heißt es, würde Torgau als einziger allein bleiben. Der Muldentalkreis dürfte indes doch mit dem Leipziger Land verschmolzen werden, was der Kreistag zähneknirschend als drittbeste Alternative in Betracht gezogen hat.
Widerstand gibt es auch aus Zwickau. Der Stadtrat dort hat - vor allem aus finanziellen Gründen - nach wie vor für eine Kreisfreiheit plädiert und lehnt eine Ehe mit dem Zwickauer und dem Chemnitzer Land ab. Die Bedenken könnten jedoch mit finanzieller Hilfe geklärt werden, heißt es. Am Zug ist nun wieder Buttolo, der trotz der Proteste mit dem Ergebnis zufrieden sein soll. Man habe mit mehr Gegendruck gerechnet, heißt es. Bis 19. Dezember will er nun einen Gesetzentwurf durchs Kabinett bringen. Ab Frühjahr ist dann der Landtag gefragt. Zum 1. Juli 2008 soll die Reform in Kraft treten.