Juli vor zwei Jahren plante der 34-jährige rechtsradikale Einzeltäter akribisch. Später vor Gericht bezeichnete er seine Morde als "grausam, aber notwendig". Als Tatmotiv nannte er Hass auf den Islam und die regierenden Sozialdemokraten. Die Richter verurteilten ihn im vergangenen Jahr zur Höchststrafe von 21 Jahren Haft und Sicherungsverwahrung. Zuvor hatten sie ihn für zurechnungsfähig erklärt. Sie entschieden sich damit dagegen, ihn in die geschlossene Psychiatrie einzuweisen. Breivik selbst hörte damals den Urteilsspruch mit zufriedenem Lächeln. Er hatte auf keinen Fall zum Geisteskranken erklärt werden wollen.

"Das war Güte und nicht Bosheit, auch wenn die Methoden brutal waren", erklärte Breivik vor Gericht seine Taten. Er hatte sich seine eigene Welt zurechtgelegt. Eine Welt, in der es gerecht und richtig war, andere Menschen zu töten. Eine Welt, in der er ein Retter ist. Doch Breivik entlarvte sich im Prozess auch selbst - als lebensgefährlicher, häufig wenig souveräner Mann. Tränen vergoss Breivik ein einziges Mal in den langen Verhandlungswochen. Als das Osloer Gericht ein von ihm selbst gebasteltes Video über seinen "Kampf" gegen die Islamisierung Norwegens abspielen ließ, bebten die Gesichtszüge des Täters einen kurzen Weinkrampf lang. Er war von sich selbst gerührt.

Breivik kam am 13. Februar 1979 in Oslo als Sohn eines Diplomaten und einer Krankenschwester zur Welt. Die Eltern trennten sich, als er ein Jahr alt war. Der Junge wuchs bei der Mutter in Oslo auf. Der Kontakt zum Vater war spärlich, riss später ganz ab. Mit vier Jahren wurde das Kind ein Fall für die Sozialbehörden und kam kurz in eine Pflegefamilie. Später besuchte Breivik das Handelsgymnasium, das er 1998 ohne Abschluss verließ. Von 1999 bis 2007 war er Mitglied in der Jugendorganisation der rechtspopulistischen Fortschrittspartei. Nach erfolglosen Versuchen, viel Geld zu verdienen, lebte er zuletzt wieder bei seiner Mutter.