Der vorläufig letzte Zeuge im Maskenmann-Prozess am Landgericht Frankfurt (Oder) ist gehört - damit sind es seit Prozessbeginn Anfang Mai nach Gerichtsangaben rund 40 Verhandlungstage. In dem Mammutprozess sind aber nach wie vor entscheidende Fragen offen: Hat der 47 Jahre alte Angeklagte zwei Berliner Millionärsfamilien in Ostbrandenburg überfallen und einen Investmentmanager entführt? Ist dieser wirklich verschleppt worden oder täuscht er das vor? Zweifel blieben auch am gestrigen Donnerstag nach der letzten Zeugenbefragung vor Weihnachten. Auch die Ermittlungsarbeit ist in die Kritik geraten. Wird im März ein Urteil gesprochen?

Die Ausgangslage: Der Prozess beruht auf Indizien, weil es keine eindeutigen Beweise gibt. Der Täter hat bei den drei Attacken in den Jahren 2011 und 2012 eine Maske getragen, weshalb auch der Name Maskenmann-Prozess entstanden ist. Rund 500 Hinweise aus der Bevölkerung gehen bei der Polizei ein. Im Januar des vergangenen Jahres wird aus dem Verfahren gegen unbekannt eines gegen den jetzt angeklagten Berliner. Nach monatelanger Beobachtung wird er im September festgenommen. Die Fahnder gehen davon aus, dass ein Täter alle drei Straftaten verübt hat. "Es gab unheimlich viele Parallelen zu den vorausgegangenen Straftaten", sagte der Chefermittler im Zeugenstand.

Die Opfer: Im Sommer 2011 überfällt der Maskenmann die Ehefrau eines Unternehmers in Bad Saarow östlich von Berlin und schlägt sie zusammen. Wenige Monate später schießt er auf die Tochter. Ein Wachmann schützt die junge Frau mit seinem Körper. Ihn treffen die Schüsse, er ist seither querschnittsgelähmt. Im Jahr 2012 wird der Manager aus dem benachbarten Storkow entführt und auf eine Schilfinsel im Großen Storkower See (Oder-Spree) verschleppt. Der Täter will Lösegeld erpressen. Nach zwei Tagen kann sich der Manager nach eigenen Angaben selbst befreien - unverletzt. Alle vier sind Nebenkläger.

Der Angeklagte: Der 47-Jährige beteuert, der Falsche zu sein. Der Verdächtige soll nach Darstellung der Polizei monatelang in Wäldern um Berlin gelebt haben, um Spuren zu verwischen. Seine Wohnung hatte der sportliche und durchtrainierte Mann aufgegeben. Für die Beamten ist er kein unbeschriebenes Blatt, sein Strafregister lang. Es reicht von gefährlicher Körperverletzung bis zu schwerer Brandstiftung. Über Jahre sitzt der Mann im Gefängnis. Beispielsweise hat er Jachten geplündert und angezündet, in der Region, in die er den Banker entführt haben soll. Im Prozess sprach er bisher kein Wort.

Der Fall hinter dem Fall: Schnell verlagert sich der Prozess vom eigentlichen Gegenstand zu Kritik an der Ermittlungsarbeit. Während der Auswertung vieler Details kommen Beamten Zweifel. Die Entführungsversion des Bankers scheint ihnen unstimmig. Die Entführung wird mehrfach rekonstruiert, aber nie komplett und nie unter den vom Opfer beschriebenen Bedingungen. Es kommt zu Spannungen zwischen den Ermittlern; es gibt personelle Veränderungen. Sogar die Staatsanwaltschaft wird eingeschaltet. Der Innenpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion stellt schließlich eine Kleine Anfrage zu Mobbing bei der Brandenburger Polizei. Laut Antwort gab es von 2010 bis 2014 drei Mobbing-Fälle, alle im Präsidium in Potsdam.

Der Ausblick: Bislang sind bis März Verhandlungstermine angesetzt. Dann könnte auch ein Urteil fallen. Ob es dabei bleibt, ist fraglich. Laut Gericht ist es auch möglich, dass sich der Fall noch weiter ins Jahr ziehen wird.