Der 68-Jährige hat genau das, worauf es bei einem nationalen Kraftakt ankommt: Monti ist parteilos und ein ausgewiesener Wirtschaftsexperte. Er geht keiner Schlacht aus dem Weg, die er für wert hält, geschlagen zu werden.

Italien hat einen Schuldenberg von mindestens 1,8 Billionen Euro angehäuft. Das ist nach Griechenland der höchste Schuldenstand – gemessen an der Wirtschaftsleistung – innerhalb der Eurozone. Wer anderes als ein Wirtschaftsexperte sollte das Land da noch aus der Gefahrenzone bringen können, hoffen die Italiener. Um eine solche Situation zu überwinden, braucht es Kampfgeist, erklärten Experten in einer Talkshow im öffentlichen RAI-TV. Und Monti hängt seit seiner Zeit als EU-Kommissar der Ruf an, harten Auseinandersetzungen in jeder Hinsicht gewachsen zu sein.

Dabei ist Monti kein Mann der lauten oder forschen Töne. Dennoch haftet dem Akademiker nach dem jahrelangen Kampf gegen Kartelle und Preisabsprachen (1999-2004) eine Reputation unbeirrbarer Entschlossenheit an. Auf diese Weise focht er vor rund zehn Jahren für einen freien Automobilhandel. Erste Adressen der Branche – darunter Größen wie DaimlerChrysler und Opel – bekamen erstmals wegen Marktabschottung von Monti unterschriebene Bußgeldbescheide in Millionenhöhe. Und außerdem zwang er sowohl den amerikanischen Industriegiganten General Electric (GE) bei der umstrittenen Übernahme von Honeywell als auch den Softwarekonzern Microsoft, klein beizugeben.

Rein äußerlich symbolisiert der im norditalienischen Varese geborene Monti vor allem einen drastischen Stilwandel. Nach den zahlreichen Skandalen des zurückgetretenen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi hofft Italien auf ein besseres Image.

Ein Regierungschef Mario Monti bedeute einen positiven Wandel „von der italienischen Komödie zum nüchternen Professorenstil“, kommentierte etwa die römische Zeitung „La Repubblica“.