Er öffnet die Bodentür, dreht den Docht höher, damit sie heller strahlt - und strahlt nun selbst.

Wow! Er weiß, die Überraschung gelingt immer, wenn er Gäste in seine schummrige Wunderwelt führt. Hunderte Petroleumlampen hängen und stehen hier dicht an dicht: auf Tischen und Anrichten, an Dachsparren und selbst auf dem Fußboden. Man wagt kaum zu treten.

Mit Licht und Lampen hatte der 72-Jährige als Betriebselektriker sein ganzes Berufsleben zu tun. Doch für die Leuchten, die er seit 30 Jahren mit Akribie sammelt, nützt ihm das wenig. Als sie erfunden wurden, war es noch ein Stück hin zum Strom aus der Steckdose.

Seine erste Lampe ergatterte er auf dem Boden einer Brauerei. ,,Leider war sie nicht komplett, der Schirm fehlte", erinnert er sich. Aber den Durchbruch brachte erst die Einheit. Mit der D-Mark war er nun in einer besseren Verhandlungsposition, wenn er über polnische Flohmärkte pilgerte. Von Wroclaw brachte er mal gleich vier tolle Stücke mit.

Er war neu motiviert. Kein Antikladen, keine Haushaltsauflösung war vor ihm sicher. Die Sammlung wuchs schnell. Doch Brückner wurde auch wählerischer, sucht gezielter, legt größten Wert auf Authentizität. Noch im Dunkeln unterscheidet er heute ein Original, wie sie zwischen 1860 und 1925 entstanden, von neumodischem Talmi. Sogar bei ,,Wetten das. . ?" bot er sich damit an. Doch das ZDF erleuchtete er damit nicht.

Immerhin hält Brückner seine Sammlung aus über 300 Tischlampen und knapp 30 Hängelampen für konkurrenzlos im deutschsprachigen Raum. So beantragte er nun die Aufnahme in das Guinnessbuch. Einen zweiten Sammler, der so stark auf Petroleumlampen fixiert ist, kennt er auch nicht. So gebe es denn auch keine reinen Tauschbörsen dafür, bedauert er.

Prachtvolle Stücke umfasst seine Kollektion: mit kunstvollen Fassungen aus Majolika oder Messing, mit hohen Säulen und aufwändig bemalten Schirmen, mit reich an Jagdmotiven verzierten Halterungen und Ständern in Harfenform. Leuchten für nahezu jeden Lebensbedarf finden sich unter seinem Dach. Wie von selbst drängen sich so kleine Geschichten auf: Der Nachtwächter, der mit hochgestelltem Kragen eine Sturmlaterne durch finstere Gassen trägt. Die Magd, die in Holzpantinen mit der Stalllampe zum Melken schlürft. Der Fischer, der mit seiner Schiffslaterne in der Dämmerung den Kutter beleuchtet. Der Pianist, der mit der Fahrradlampe am Drahtesel zur verräucherten Bar strampelt, wo ihm dann eine Klavierlampe die Noten anstrahlt.

Für über 1000 verschiedene Verwendungszwecke habe es einst Petroleumlampen gegeben, fand er heraus. Da gab es Baustellenwarnlampen, Eisenbahnlampen oder Aladdinlampen in Form einer Teekanne. Mancher Untersatz in der Sammlung besteht aus schwerem Zinkguss, andere sind so gläsern, dass man im Inneren das Petroleum erkennt. Die meisten könne er auch noch in Betrieb nehmen, betont er. ,,Mehr als 20 Watt Lichtausbeute schaffte eine durchschnittliche Petroleumleuchte nicht - und auch dann nur, wenn der Schirm schön klar war", weiß er. Mit einem halben Liter Petroleum wäre man so aber über den Abend gekommen. Ausnahmen bildeten jene Leuchten mit 41 Zentimetern Zylinderdurchmesser, die zu seinen größten zählen. ,,Sechs, acht davon erhellten schon einen Tanzsaal", fand er anhand alter Dokumente heraus. Dennoch sei detaillierte Literatur zu seinem Metier spärlich, beklagt er.

Ja, es sei nicht einmal klar, wann so ganz genau die erste Petroleumlampe genutzt wurde. Auch einen eindeutigen Erfinder gebe es nicht. Mehr denn je fahndet Brücker heute nach Besonderem - kunstvollen Figurenlampen etwa oder Lithophanieschirmen mit durchsichtigen Motiven auf zartem Porzellan. ,,Davon wurden nur sehr wenige hergestellt. Wer sie hat, gibt sie nicht her", weiß er.