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Der „Mann der leisen Töne“ und der „Traditionalist“

Berthold Huber verbindet persönlich nicht viel mit seinem neuen „Tandem-Kollegen“ an der Metaller-Spitze, Jürgen Peters. Während Huber meist als „Mann der leisen Töne“ gilt, sehen Peters viele Gegner als „polarisierenden Hardliner“ . Von Werner Scheib <br> und Angela Schiller


Berthold Huber ist sicher der bisher einzige in der IG Metall-Führung, der Philosophie studiert hat. Doch die Arbeit an der Werkbank kennt Huber auch. Der gelernte Werkzeugmacher trat 1974 beim Bushersteller Kässbohrer in Ulm ein und schaffte es innerhalb kurzer Zeit 1978 an die Spitze des Gesamtbetriebsrates. Bei den Metallern im Südwesten gilt der 53-Jährige als Visionär und Stratege.
Den streikerprobten Tarifbezirk Baden-Württemberg leitet Huber seit 1998 und hat in dieser Zeit mehrere Pilotabschlüsse errungen. Dabei ging es nicht nur um Lohn, sondern um Weiterbildung mit dem individuellen Anspruch auf Qualifizierung, vor allem aber um einen Abschluss, der Arbeitern und Angestellten gleiches Entgelt für gleiche Arbeit sichert.
Franz Steinkühler holte ihn 1991 als Leiter der „Abteilung Erster Vorsitzender“ in die Frankfurter IG-Metall-Zentrale zu sich. Huber lernte dort, wie man Tarifpolitik nicht mit lauten Tönen, sondern mit Argumenten an die Tarifkommissionen „verkauft“ .

Über 30 Jahre Gewerkschaft
Der heute oft als „Traditionalist“ titulierte 59-jährige Jürgen Peters hat sich in seiner über 30 Jahre langen Gewerkschaftslaufbahn vor allem als pragmatischer Tarifexperte hervorgetan. Die Einführung der Vier-Tage-Woche bei VW geht ebenso auf sein Konto wie Tarifverträge zur Altersteilzeit. Der am 17. März 1944 im oberschlesischen Bolko geborene Arbeitersohn lernte nach dem Schulbesuch in Hannover zunächst Maschinenschlosser und trat schon als Lehrling in die IG Metall ein. Statt eines Ingenieurstudiums zog er eine Karriere in der Gewerkschaft vor, die er 1969 an der Bildungsstätte der IG Metall in Lohr begann. Von 1976 an arbeitete Peters in Düsseldorf im Zweigbüro der IG Metall. Dort erlebte er die Krisen der Stahlindustrie hautnah mit.
1988 kehrte er nach Hannover zurück und wurde Bezirksleiter in Niedersachsen. 1998 setzte sich Peters in einer Kampfabstimmung gegen den Willen von IG-Metall-Chef Klaus Zwickel als Nachfolger des Vize Walter Riester durch und wurde damit auch Zwickels potenzieller Nachfolger.