Dass in seinem Land kaum von einer nennenswerten Opposition die Rede sein kann, dafür sorgt der Machthaber seit Jahren selbst, indem er Andersdenkende unterdrückt.
Aufgewachsen ist Lukaschenko in dem Dorf Rischkatidschi etwa 200 Kilometer östlich von Minsk. Hier verbrachte er den Großteil seines Lebens in ärmlichen Verhältnissen und stieg in die kommunistische Landwirtschafts-Elite auf. 1987 wurde er Direktor einer Kolchose. 1990 wurde er ins weißrussische Parlament gewählt. "Er war wirklich positiv eingestellt und gegen den Kommunismus", erinnert sich sein ehemaliger Freund Alexander Scherbak, heute Chef der Sozialdemokratischen Partei. Erst später sei Lukaschenko "machtsüchtig" geworden.

Vom Aufklärer zum „kleinen Gott“
Lukaschenkos politische Karriere begann erst 1993 richtig, als er Vorsitzender des parlamentarischen Anti-Korruptionsausschusses wurde. Diesen Posten nutzte er 1994, um sich bei der ersten Präsidentschaftswahl in Weißrussland ins höchste Staatsamt wählen zu lassen. Seither zieht er unaufhörlich Macht an sich, so viel Macht, dass US-Präsident George W. Bush Weißrussland einmal als "letzte verbliebene Diktatur in Europa" geißelte. Mit einem fragwürdigen Verfassungsreferendum ebnete Lukaschenko 2004 den Weg für eine dritte Amtszeit.
„1994 hat ihn das Volk gewählt, 1996 wurde er der Staat und 2001 ein kleiner Gott“ , beschrieb der Oppositionelle Anatoli Lebedko, der am Mittwoch vorübergehend festgenommen wurde, einmal die Karriere des Präsidenten. In den vergangenen Jahren entmachtete Lukaschenko das Parlament weit gehend. Oppositionelle leben seither gefährlich in Weißrussland: In den vergangenen Jahren verschwand eine Reihe politischer Gegner. Die Opposition ist überzeugt, dass der Präsident dahinter steckt. Auch vor dem morgigen Urnengang griffen die Behörden hart durch. Einer der Gegenkandidaten, Alexander Kosulin, wurde von der Polizei stundenlang festgehalten. In den vergangenen Tagen sind weitere Oppositionspolitiker zu mehrtägigem Arrest verurteilt worden.

Nur noch Russland ist Verbündeter
So wenig wie der 1954 geborene Lukaschenko von Andersdenkenden im eigenen Land hält, so wenig hält er von westlichen Ideen. Er hält sich an das, was er zu Sowjetzeiten gelernt hat. Marktwirtschaft ist nicht vorgesehen, Demokratie ist ihm sus pekt. Die Abneigung ist beiderseitig: Als einziger europäischer Staatsmann darf Lukaschenko weder in die EU noch in die USA einreisen.
Dabei kann es der EU nicht egal sein, was in Weißrussland mit seinen zehn Millionen Einwohnern passiert: Sie braucht Lukaschenko und seinen Apparat als Barriere gegen Drogenhandel und illegale Einwanderung über ihre Ostgrenze. Der Präsident weiß das - und erinnert gern daran, wenn aus Europa allzu kritische Töne kommen. Auch vor deutlichen Worten an die USA schreckt er nicht zurück. Russland ist der einzige verbliebene Verbündete von Gewicht. In Lukaschenkos Welt gibt es keine Besseren. Der Sportbegeisterte, der sich hier im Bauern-Gewand, da bei einer Hockey-Partie im Fernsehen präsentiert, nimmt regelmäßig an Wintersportwettkämpfen teil. Ihn zu besiegen, ist jedoch verboten. "Man darf ihn beim Hockeyspielen nicht berühren und beim Skifahren nicht überholen", sagt Kajak-Olympiasieger Wladimir Parfenowitsch. Gleiches gilt für die morgige Wahl. Ü ;berholen darf Lukaschenko niemand, dafür will er sorgen. Sein System wirkt dagegen schon lange überholt. Indes hat er nach neun georgischen Wahlbeobachtern und zwei polnischen Journalisten gestern auch einem deutschen Wahlbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), dem CDU-Bundestagsabgeordneten Georg Schirmbeck, die Einreise verweigert. Dieser hatte ihn in einem Interview als "letzten Diktator Europas" bezeichnet und die Verhaftungen von Oppositionellen kritisiert.