Leger gekleidet, Hemd aus der Hose, Turnschuhe - er hat immer gesagt, "Tudo bem", "Wir kriegen das hin". Aber als er im griechischen Olympia zur Entzündung des Olympischen Feuers weilte, krachte daheim ein vor drei Monaten von ihm eröffneter neuer Radweg über der Steilküste ein. Es war die bisher schlimmste Hiobsbotschaft, zwei Menschen starben. Dazu kamen das leidige Thema der verschmutzten Guanabara-Bucht, wo Segeln ein Gesundheitsrisiko sein kann, und große Finanzprobleme. Zuletzt wirkte er fast frustriert, sagte, mit all den Negativschlagzeilen um die Regierungskrise im Land, die Rezession, die Korruptionsskandale sei "es nicht der beste Moment, um im Fokus der Welt zu stehen". Aber er ist ein Kämpfer. Unentwegt betont er den Mehrwert von Olympia.

So hat er die Verkehrsinfrastruktur stark ausbauen lassen, es gibt nun 450 Kilometer an Radwegen, einen größeren Flughafen, eine neue Metro, Schnellbuslinien. Der 46-Jährige ist seit 2009 Chef der 6,5-Millionen-Einwohner-Stadt. Er ist bekannt für hemdsärmeliges Auftreten. IOC-Präsident Thomas Bach unterstellte er mal, wegen ein paar Caipirinhas eine Pressekonferenz mit ihm im Olympiapark versäumt zu haben - was aber nicht stimmte. Bei Twitter stellt er Kritiker schon mal mit dem Hinweis, sie könnten ja aus Rio wegziehen, wenn ihnen hier was nicht passe.

Die politische Karriere begann der der Mitte zuzuordnende, politisch wendige Politiker in der Verwaltung von Barra, dem von der weißen, wohlhabenden Schicht geprägten Stadtteil fast ohne Favelas. Hier wurden die meisten Olympia-Projekte gebaut. Paes hat zwei Kinder, die auf die deutsche Schule gehen. Er sieht Barcelona 1992 als großes Vorbild - heitere Spiele, die einen Touristenboom auslösten. Diesem Ziel ordnet er alles unter, der Mann, der als Hans Dampf in allen Gassen gilt.

Der Verlauf der Spiele könnte über Paes' weitere Karriere entscheiden, ihm werden Ambitionen auf eine Präsidentschaftskandidatur nachgesagt.