Selbst lachende Tiere und ein freundlicher Greis mit wallendem Haar und Engelsgefieder, der der Herrgott selbst sein könnte, lassen sich ausmachen. Lebenspralle Szenen reihen sich im Rund aneinander. Alles wirkt, als wolle der ganze Brunnen sogleich in schallendes Gelächter ausbrechen.
Zugleich geben sie Oschatz auf liebenswert-heitere Weise eine neue Mitte - in Stein geschlagen durch einen jungen Steinmetz der Stadt. Sein Thema, unter dass er die zwei Jahre währende Arbeit stellte, heißt schlicht "Liebe". Zehme, der heute in Dresden lebt, sieht es als eine Liebeserklärung an seine Vaterstadt. "Oschatz, da denkt man an ,Oh, Schatz', und das assoziiert Liebe", so der 36-Jährige nicht unernst. Nicht Liebe als Schnulze sondern in ihrem ganzen Fassettenreichtum aus Hoffnung, Sehnsucht, Lust und Freude.
Nicht weniger als 36 verschiedene Entwurfszeichnungen war es ihm Wert, die städtische Ausschreibung für den neuen Altmarktbrunnen zu gewinnen. Nun hofft er, damit für die Region auch ein wenig "neue Kräfte wecken zu können". Denn er möchte mit dieser - wie mit all seinen Arbeiten - "beim Betrachter Emotionen herstellen und so Menschen einander näher bringen". Das klingt etwas vermessen, doch aus dem Munde des Pfarrerssohnes dennoch plausibel. Denn zum Stein kam er erst über untechnische Umwege. Seit Jahrhunderten wurden in seiner Familie väterlicherseits die Männer Priester; in den Annalen finden sich auch Missionare und ein Thomaskantor zu Leipzig.
So begann auch er ein Theologiestudium. Doch frühe Kontakte zum Sohn eines renommierten Dresdener Steinbildhauers, die noch aus seinen Zeiten im Dresdener Kreuzchor rührten, wirkten länger nach als erwartet. Also besuchte er nach dem Abi in der Abendschule auch Malereikurse. Er schaute immer häufiger in des Freundes Bildhauerwerkstatt hinein und ließ sich daheim dann in Holzgestaltung unterrichten. Schließlich warf er das Studium hin und ließ sich zum Steinmetz ausbilden.
Der Brunnen in Oschatz sei der bisherige Schaffenshöhepunkt, seit er sich 1997 selbstständig machte, erzählt Zehme. Er nennt sich einen Volkskünstler, der mit seinen Arbeiten Zuversicht und Frohsinn verbreiten will. Als jemand, der in einem "sehr offenen Pfarrershaus ohne alle Scheuklappen gegenüber anderen Menschen" aufwuchs, sei er halt ein unverbesserlicher Optimist.
Drum sieht er sich auch weniger als einer der Kunst an sich schafft, gleichwohl er schon dazu beitragen möchte, alte Steinkunst wieder neu zu beleben. Doch sein Ziel lautet stets: "Ich will mit meinen Arbeiten Emotionen erzeugen. Denn der Stein sei wie der Mensch, er altert ästhetisch" schwärmt er.