Wegen des vergangenen milden Winters und des Verfalls der Großhandelspreise hätte in diesem Jahr eigentlich ein gutes Jahr für die Gasverbraucher in Deutschland werden können. Doch haben die Versorger den Vorteil kaum an die Kunden weitergegeben. Sie wurden insgesamt um 1,3 Milliarden Euro geschröpft, wie jetzt eine Studie im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion belegt. Jeder einzelne Haushalt um durchschnittlich 108 Euro.

Großhandelspreise im Sinkflug

Im vergangenen Jahr sanken die Großhandelspreise im Vergleich zu 2013 um mehr als 20 Prozent auf 2,14 Cent je Kilowattstunde, ermittelte der Hamburger Energieexperte Steffen Bukold. Da Steuern, Abgaben und Netzentgelte allerdings weitgehend gleich blieben, hätten die Endverbraucherpreise sinken können und zwar, bei unveränderter Gewinnmarge für die Versorger, um insgesamt acht Prozent. Taten sie aber nicht.

Von 780 Gasversorgern führten laut der Studie, die der RUNDSCHAU vorliegt, in diesem Jahr nur 97 (elf Prozent) überhaupt eine Preissenkung durch oder kündigten sie an, und das auch nur im durchschnittlichen Umfang von 4,8 Prozent. Die meisten Firmen ließen einfach alles beim Alten und erhöhten so heimlich ihre Gewinnmarge, und zwar um durchschnittlich 0,45 Cent je Kilowattstunde. Allerdings blieben die Gewinne nicht immer bei den Versorgern hängen. Wenn diese zum Beispiel 2013 langfristige Lieferverträge zu den damaligen hohen Preisen abgeschlossen hatten, zogen nur die Großhändler den Vorteil.

Großteils 100 Euro möglich

Da die Preise regional unterschiedlich sind, ergeben sich unterschiedliche Auswirkungen in den einzelnen Bundesländern. So betrug die den Verbrauchern entgangene Entlastung für 2014 in den Hochpreisländern zum Teil deutlich mehr als 100 Euro: 139 Euro in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein, 133 in Thüringen, 117 in Nordrhein-Westfalen und dem Saarland, 114 in Sachsen-Anhalt und 112 in Bayern. In Brandenburg waren es 104 Euro, in Hessen 103, in Niedersachsen und Rheinland-Pfalz 93 Euro. Den Berlinern, Preisschlusslicht in Deutschland, entgingen nur 17 Euro.

Experte rät zum Anbieterwechsel

Die Verbraucher könnten eigentlich in 2015 von ihren Versorgern nun ein Nachholen der Preissenkungen erwarten. Dort wo es keine neuen Tarife gab, müssten sie um acht Prozent sinken, bei anhaltend niedrigem Preisniveau sogar um zehn Prozent, ermittelte Bukold. Der Grünen-Abgeordnete Markus Tressel riet denn auch, einen Wechsel des Anbieters in Betracht zu ziehen, falls in den nächsten Monaten keine neuen Tarife angekündigt werden. Die Tatsache, dass Gaskunden ihren Lieferanten traditionell treu seien, habe das Verhalten der Versorger begünstigt. 49 Prozent der Heizungen in Deutschland werden mit Gas betrieben.