Nur ein leichtes Zittern der Wasserpflanzen auf der trüben Oberfläche verrät die Anwesenheit des Reptils Pausine. Dann ist der Appetit wohl doch zu groß. Langsam schiebt sich das 1,50 Meter lange Tier durch das dichte Blattwerk ans Ufer. Ein schneller Happs und die pelzige Kaninchenkeule baumelt zwischen Pausines kräftigen Kiefern. "Nichts für Zartbesaitete", sagt der 49-Jährige ungerührt und zieht weiter. Auch die anderen Krokodile haben schließlich Hunger. Seit zehn Jahren betreibt Voigt auf seinem Grundstück im brandenburgischen Golzow eine Auffangstation für Krokodile. Derzeit leben 13 Kaimane unter seiner Obhut.
"Angefangen hat alles mit Pflanzen", erinnert sich der Kroko-Pfleger, während nebenan Pausine genüsslich ihr Futter verspeist. "Zuerst Kakteen, dann Palmen und Zitrusfrüchte", zählt Voigt auf. Irgendwann sei auch der Wunsch nach einem besonderen Haustier gereift, das "robust, exotisch und pflegeleicht" sein sollte. Schlangen hätten anfangs zur Debatte gestanden. "Aber da hat meine Frau damals nicht mitgemacht. Das wäre für sie ein Scheidungsgrund gewesen", erzählt Voigt und hält Pausine noch eine zweite Keule hin.

Erster Kaiman ist geblieben
Mittlerweile lebt der Golzower alleine. Auch die Kinder sind längst aus dem Haus. Von damals geblieben ist nur Karlchen, Voigts erster Kaiman. Fast 20 Jahre schwimmt, frisst und döst die stattliche Echse bereits bei ihrem Herrchen. Ein Bekannter vermittelte ihm das Tier. Stolze 34 Jahre hat Karlchen heute auf dem Buckel. "Kaimane können in etwa so alt wie Menschen werden. Vielleicht 50, 70 oder 80 Jahre", klärt Voigt auf.
Hauptberuflich ist er Feuerwehrmann. Zum Hobby-Krokodil-Retter wurde er vor zehn Jahren. Damals nahm er zwei Kaimane bei sich auf, die der Zoll in Frankfurt am Main als Schmuggelware beschlagnahmt hatte. Weitere Tiere folgten. Vor vier Jahren erlöste er zudem mehrere Kaimane aus nicht artgerechter Haltung. Zwischenzeitlich lebten sogar 18 Panzerechsen auf dem Golzower Grundstück. "Vergangenes Jahr habe ich drei Kaimane an ein Vivarium in Österreich abgegeben", erzählt Voigt.
Dennoch platzt die Station fast aus allen Nähten. Ob am oder im Schuppen, hinter dem Haus oder im großen Teich neben der Terrasse - überall hat Voigt kleine Tropenparadiese für seine Schützlinge geschaffen. Immerhin rund 2,50 Meter lang können die südamerikanischen Verwandten aus der Krokodilfamilie werden. Weitere 110 Quadratmeter sollen in den kommenden fünf Jahren dazukommen. Auf etwa 150 000 Euro schätzt Voigt die Baukosten. Finanziert wird alles aus der eigenen Tasche. "Über Spenden von Besuchergruppen zum Beispiel", erläutert er.

Aufklärung über Reptilien
Der "Herbergsvater" will über die Kaimane aufklären und Klischees abbauen. Auf regelmäßigen Rundgängen über sein Grundstück will er den Menschen die "intelligente Tierart" näherbringen. Schulklassen, Kitagruppen oder Erwachsene dürfen dann bei der Fütterung zusehen, während Voigt über das Leben der Krokodile referiert. Nur angefasst werden dürfen die Tiere nicht. "Wir sind ja kein Zirkus. Kaimane sind und bleiben Wildtiere", warnt der Experte und zeigt auf Pausine.