Der Sturm zieht von allen Seiten auf. Über Monate eroberte eine schiitische Rebellenmiliz im Jemen Stadt um Stadt - seit Donnerstagmorgen, kurz nach Mitternacht, schlägt eine breit aufgestellte Koalition sunnitischer Länder zurück. Die Operation "Sturm der Entschlossenheit" begann mit massiven Luftschlägen. Mit 100 Kampfjets und 150 000 für den Ernstfall bereitstehenden Bodentruppen führt Saudi-Arabien laut dem arabischen Fernsehsender Al-Arabija das Bündnis an.

Die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Katar und Bahrain am Golf sowie Jordanien, Marokko und der Sudan hätten weitere Kampfjets entsandt. Ägypten will eine Beteiligung der Luftwaffe und der Marine an dem Einsatz arrangieren. Auch Pakistan würde Kriegsschiffe in den Golf von Aden senden.

Gegner der Nahost-weiten Allianz sind die Huthis, seit Monaten dominierende Kraft im politischen Chaos des Jemen. Die Bewegung nutzte einst anti-amerikanische Ressentiments im Land, um eine Revolte gegen den von den USA gestützten Präsidenten Ali Abdullah Salih zu starten. Der Aufstand wurde von Salih blutig niedergeschlagen.

Doch nach dem Arabischen Frühling kehrten die Huthis auf die politische Bühne zurück. Salih hatte nach Demonstrationen Anfang 2012 seinen Posten an Nachfolger Abed Rabbo Mansur Hadi abgeben müssen. Beobachter beschuldigen den Ex-Präsidenten nun, mit den einstigen Erzfeinden, den Huthis, einen neuen Umsturz im Jemen orchestriert zu haben.

Binnen Monaten eroberten die Rebellen die Hauptstadt Sanaa, setzten die Regierung von Präsident Hadi ab und nahmen Militärbasen im ganzen Land ein. Salih ergebene Soldaten sollen die - einst mittellosen - Huthis dabei militärisch unterstützt haben, sagen Beobachter im Land. Am Mittwoch rückten die Aufständischen bis in die südliche Hafenstadt Aden vor, den letzten Flucht ort des glücklosen Präsidenten Hadi. Der konnte noch um eine internationale Militärintervention bitten, seit Mittwochabend ist er untergetaucht.

Die Bitte erfüllte Saudi-Arabien nur zu gerne: "Wir wollen mit allen Mitteln die rechtmäßige Regierung des Jemen schützen und verteidigen", teilte Saudi-Arabiens Führung als Grund für die Militärmission mit. Die Golfmonarchie hat ein vitales Interesse, den südlichen Nachbarn unter Kontrolle zu halten. Und mehr noch: sich den Iran von der Türschwelle zu halten.

Der schiitische Staat gilt als heimlicher Unterstützer der Huthis, seit Monaten sollen aus Teheran Waffen ins Land kommen. Der Iran hat mit dem Libanon und seinem militärischen Engagement im Irak und in Syrien bereits großen Einfluss im arabischen Nahen Osten. Jemen als viertes Land könnte dem Iran nun auch einen neuen Zugang im Mächtespiel um den Golf ermöglichen. Krisen in der Region seien über Jahre mit Behelfslösungen geflickt worden, warnt die Soufan Group, die die USA in Sicherheitsfragen berät. Das habe dem Iran einen steten Machtzuwachs ermöglicht. Nicht die Atompläne Teherans würden schlussendlich den Golf destabilisieren - "es könnten deren regionale Ambitionen sein, mit all ihren schlimmen Auswirkungen auf die religiöse Spaltung der Region".

Tatsächlich spielten bislang sunnitisch-schiitische Befindlichkeiten im Jemen - trotz der religiösen Herkunft der Huthis und häufiger Anschläge sunnitischer Extremisten - kaum eine Rolle. Erst die Luftschläge der Riad-Allianz könnten das arabische Armenhaus nun zu einem neuen Stellvertreter-Schlachtfeld ähnlich wie Syrien machen.

Im Verlauf der ersten Kampfnacht bombardierte die Riad-Allianz nach eigenen Angaben mehrere von den Huthis eroberte Stützpunkte im ganzen Land. Nach Angaben des von den Huthis kontrollierten Gesundheitsministeriums in Sanaa kamen bei den Bombardierungen allein in der Hauptstadt 25 Zivilisten ums Leben. Ein Journalist der "Yemen Post" sagte dem Sender Al-Dschasira, die Bomben seien überall in Sanaa gefallen. Die Menschen hätten panisch reagiert.