Einer dieser regionalen Brennpunkte ist demnach die bayerische Hopfenanbauregion nördlich von München, wo der Rohstoff des Biers im wahrsten Sinne des Wortes verhagelt werden könnte. Ein anderer sind die Alpen. Schneesicherer Skiurlaub wird dort selten werden - und noch teurer.

Basis der Analyse ist die Annahme, dass die Durchschnittstemperaturen in Deutschland bis zum Jahr 2050 je nach Region um 1,5 bis 3,7 Grad steigen werden. Außerdem wurden vorhandene Studien über lokale Folgen ausgewertet.

Demnach ist Ostdeutschland, wo es heute schon zu wenig Niederschlag gibt, stark von Trockenheit betroffen. Hitze und Schädlingsbefall werden vor allem dem Thüringer Wald zusetzen; eine neue Mischung der derzeit aus Fichten bestehenden Monokulturen sei angeraten, heißt es. Ähnlich in Brandenburg.

Umgekehrt fällt in Teilen Westdeutschlands mehr Regen. Ein plus von fünf Prozent Regenmenge ist an Rhein und Ruhr vorhergesagt. Außerdem häufen sich Starkregen, Tornados oder Hagel. Letzterer würde in der Hallertau den Hopfenanbau gefährden; steigende Versicherungsausgaben können allerdings schon unabhängig von konkreten Schäden auf die Bierpreise durchschlagen. Immerhin die Hälfte der europäischen Hopfenproduktion kommt aus der Region.

Insgesamt sinkt in Deutschland jedoch die Niederschlagsmenge, die Temperaturen steigen. Beides wird laut der Untersuchung im Rheintal und am Neckar zusammenkommen. Neben dem Hitzestress in den dortigen Großstädten, dem geschwächte Menschen zum Opfer fallen könnten, sind niedrige Pegelstände der Flüsse die Konsequenz. Folge: Kraftwerke können nicht mehr gekühlt, Industrieanlagen nicht mehr ausreichend vom Wasser aus beliefert werden.

Die deutlichsten Folgen werden jedoch für den Wintertourismus in Deutschland prognostiziert. Im Sauerland wird es Schnee nur noch ganz selten geben, selbst Beschneiungsanlagen werden sich dort kaum noch lohnen. Ähnlich in vielen der 39 Wintersportorte der deutschen Alpen. Weil dort die Temperaturen doppelt so stark ansteigen wie im Rest der Republik, werden laut der Studie nur noch zwei Gebiete relativ schneesicher sein: die Zugspitze und das Nebelhorn. Sechs weitere könnten eventuell beschneit werden.

Für die meisten anderen Gebiete aber gelte: "Investitionen in Wintersportinfrastruktur werden sich für Kommunen und Privatbetriebe nicht mehr lohnen." Alle sollten sich schon mal auf Sommertourismus umstellen.

Grünen-Fraktionschefin Bärbel Höhn sagte der RUNDSCHAU, schon in den vergangenen Jahren hätten Hitzewellen, Stürme und Überschwemmungen spürbar zugenommen. Das sei aber nur ein kleiner Vorgeschmack auf das kommende Wetterchaos. Höhn: "Der durch die Menschen verursachte Klimawandel wird richtig teuer." Es sei definitiv billiger, jetzt vorzusorgen - durch weniger Kohlekraftwerke und sparsamere Autos.