Weshalb geht der Tarifstreit an kommunalen Kitas in eine neue Runde?
Die Verdi-Spitze hat am Samstag auf einem Kongress in Fulda mit etwa 300 Streikdelegierten beraten. Danach erklärte Gewerkschaftschef Frank Bsirske die Schlichtung für insgesamt rund 240 000 Erzieher und Sozialarbeiter für gescheitert. "Der Streik wird fortgesetzt" - falls die Arbeitgeber nicht kräftig nachlegen", sagte Bsirske. Knapp 70 Prozent der betroffenen Verdi-Mitglieder lehnten in einer Befragung den Schlichterspruch ab. Auch bei den anderen Arbeitnehmervertretern, der Bildungsgewerkschaft GEW und dem Beamtenbund dbb fiel der Schlichterspruch durch.

Was will Verdi überhaupt?
Die Gewerkschaft will eine soziale Aufwertung der Erzieherberufe. Bsirske sagte, gesellschaftliche Anerkennung müsse sich auch in finanzieller Anerkennung niederschlagen. Er wollte eine bessere Bewertung der Tätigkeit im Erzieher- und Sozialdienst durch bessere Eingruppierungen.

Wie fiel der Schlichterspruch aus?
Die Schlichter, der frühere sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) und der einstige Hannoveraner Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg (SPD), schlugen für fünf Jahre - je nach Berufsgruppe - Steigerungen von zwei bis 4,5 Prozent vor. Einige Gruppen wie Kita-Erzieherinnen mit mehreren Berufsjahren oder Kita-Leiter und Beschäftigte in der Behindertenhilfe würden dabei ganz gut abschneiden, andere gingen praktisch leer aus. Verdi sagt dazu, dies sei keine echte Aufwertung, höchstens gehe der Vorschlag einen kleinen Schritt in die richtige Richtung.

Was sagen die Kommunen zum Schlichterspruch?
Die Unzufriedenheit bei Verdi ist keineswegs ein Indiz für Zufriedenheit bei den klammen kommunalen Arbeitgebern. "Der Schlichterspruch stellt viele Kommunen vor große finanzielle Probleme", sagt VKA-Präsident Thomas Böhle. Die VKA dürfte sich nach acht Verhandlungsrunden, vier Wochen Streik und der Schlichtung auch jetzt kaum weiter bewegen.

Wie geht es weiter?
Heute tagt die Bundestarifkommission in Frankfurt/Main. Sie berät das weitere Vorgehen. Bsirske kündige am Wochenende an, eine Streik-Empfehlung auszusprechen. Das Verständnis in der Öffentlichkeit für die Belange der Erzieherinnen dürfte bei neuen Streiks allerdings deutlich abnehmen. Ein Dilemma für die Verdi-Spitze. Die Gespräche mit den kommunalen Arbeitgebern werden am Donnerstag wieder aufgenommen. Und solange es keinen Tarifabschluss gibt, sind weitere Streiks nicht ausgeschlossen.

Zum Thema:
In neun Brandenburger Landkreisen - Prignitz, Ostprignitz-Ruppin, Oberhavel, Havelland, Potsdam-Mittelmark, Teltow-Fläming, Dahme-Spreewald, Barnim und Uckermark - hatte die Streikwelle schon nach Pfingsten begonnen. Später war auch der Landkreis Oberspreewald-Lausitz betroffen. Insgesamt mehr als 2000 Erzieherinnen in Kitas und Horten traten in den Ausstand. Der Schwerpunkt in Sachsen lag nach Angaben der Gewerkschaft Verdi in Leipzig, Görlitz, Zwickau und Werdau. Nun müssen sich Eltern von Kleinkindern darauf einstellen, bald wieder vor verschlossenen Kita-Türen zu stehen. Verdi kündigte "unkonventionelle Streikformen" an.