Mit symbolisch verhangenen Schaufenstern in ihren Geschäften – hier die Turmapotheke in Spremberg – protestierten gestern bundesweit mehrere tausend Apotheker gegen das so genannte Vorschaltgesetz, das die Apotheken zu Zwangsrabatten an die gesetzlichen Krankenkassen verpflichtet.Die Ärzte gelten als äußerst einflussreich. Neben freien Lobby-Verbänden verfügen sie über Organisationen der ärztlichen Selbstverwaltung, die begrenzt mitentscheiden. So handelt die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) mit den Krankenkassen die Verteilung der Versichertengelder aus. Obwohl zur Neutralität verpflichtet, übt sie Druck aus: So droht die KBV derzeit damit, dass die Ärzte in Deutschland ab Januar nur noch Dienst nach Vorschrift leisten und Praxen geschlossen bleiben.
Als weitere organisierte Gruppe kämpft auch noch die Bundesärztekammer für die Mediziner und ist oft noch kategorischer als die KBV.
Klassische Lobby-Organisationen der Ärzte sind die freien Verbände: Der Marburger Bund , 1947 gegründet, ist mit 75 000 Mitgliedern die größte derartige Organisation. Der seit über hundert Jahren bestehende Hartmannbund hat etwa 60 000 Mitglieder, gilt aber als mächtiger.
Die Interessen der Krankenhäuser vertritt die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) . In ihr sind die Verbände von kommunalen, kirchlichen und privaten Klinik-Betreibern vertreten – darunter Sozialverbände wie Rotes Kreuz oder Caritas und der Deutsche Städte- und Gemeindetag. Derzeit kämpfen die Krankenhäuser unter anderem darum, von der für das kommende Jahr geplanten Nullrunde verschont zu bleiben. Sie drohen dabei mit dem Wegfall von zehntausenden Arbeitsplätzen.
Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (BDA) hat etwa 53 000 Mitglieder. Die Dachorganisation der Landesapothekenkammern und -verbände kämpft unter anderem für eine Aufwertung des Berufsstands gegenüber den Ärzten. Im Sparpaket der Regierung stört sie vor allem, dass ihre Profitspannen beim Verkauf von Medikamenten gekürzt werden sollen. Sie prophezeien, dass bei einer Umsetzung der Regierungspläne unzählige Apotheken Pleite gehen würden. Allerdings gelten die Apotheker als weniger einflussreich: Im Vergleich zu Ärzten sind sie weniger und ihnen fehlen die starken freien Mediziner-Verbände.
Viel Geld für Lobbyarbeit und damit ein großes Gewicht haben dagegen Deutschlands Pharmaunternehmen. Die wichtigsten von ihnen sind im Verband forschender Arzneimittelhersteller (VfA) zusammengeschlossen. Die Unternehmen machen derzeit vor allem gegen den ihnen im Sparpaket auferlegten Preisnachlass für Krankenkassen mobil.
Die Krankenkassen sind in mehreren Spitzenverbänden organisiert und nehmen auch staatliche Pflichten wahr – etwa die Entscheidung über erstattungsfähige Leistungen. Größte Organisation ist der AOK-Bundesverband , der die 27 Millionen Versicherten der Ortskrankenkassen vertritt. Der Verband der Angestellten-Krankenkassen (VdAK) ist Dachorganisation für etwa 23 Millionen Menschen. Im Bundesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) sind die etwa zehn Millionen Versicherten von rund 300 Kassen organisiert.
Die wohl schwächste Lobby haben die Patienten: Verbände wie der Verein der Krankenversicherten Deutschlands (VKVD) oder der Allgemeine Patientenverband haben meist nur wenige Mitglieder und verfügen über nur bescheidene Spenden-Mittel. Über politischen Einfluss verfügen die Organisationen kaum.