Mit 19 schrieb Kristina Schröder in ihrer Abi-Zeitung, sie wolle "Ehe, Kinder und Karriere unter einen Hut bringen, ( . . . ) - ohne jemals zur Feministin zu werden". Mit 34 Jahren hat die CDU-Familienministerin heute in der Tat alle diese Ziele erreicht. Und jetzt kommt auch noch ein Buch dazu. Gleichwohl ist ihr Werk "Danke, emanzipiert sind wir selber!" nicht wirklich eine Abrechnung mit dem radikalen Feminismus der 70er- und 80er-Jahre - den Schröder allenfalls als Kind erlebte. Es ist vielmehr ein ketzerisches Plädoyer gegen von Feministinnen wie "Strukturkonservativen" bisweilen immer noch beschworene klassische Rollenbilder: "Heimchen am Herd" versus "Rabenmutter", herzlose Karrierefrau oder die "Latte-Macchiato-Mutter" als neues schickes Großstadtphänomen. Doch mit der realen Lebens- und Arbeitswelt vieler junger Paare Beruf, Kinder und Partnerschaft zu vereinbaren, hat das alles wenig tun.

In ihrer Auseinandersetzung mit dem Feminismus bleibt Schröder ambivalent. "Emanzipation macht Arbeit" würdigt sie respektvoll das Ringen vieler Frauen und Mütter, Familie und Beruf in Einklang zu bringen. "Frauen meiner Generation sind dankbar für das, was Generationen von Frauen vor uns hart erkämpft haben", lobt sie das mehr als 100 Jahre alte Streben nach Gleichberechtigung von Frau und Mann. Früher hatte Schröder das schon einmal prägnanter formuliert.

Doch dann folgen über Seiten hinweg wieder Attacken gegen einen Feminismus als "quasireligiöse Weltanschauung" und dem "missionarischen Sendungsbewusstsein" ihrer Anhängerinnen. "Hier versuchen Feministinnen, Frauen am Gängelband eines zum Mantra erhobenen ,modernen Frauenbilds‘ zu führen" - und damit neue Fesseln anzulegen, statt beim Abstreifen der alten zu helfen. Andersdenkende Frauen könnten diesen Versuchen nur ein "Danke, emanzipiert sind wir selber!" entgegensetzen.

Vor einem Jahr schaffte es Schröder in die Schlagzeilen mit ihrem Scharmützel mit Frauenrechtlerin Alice Schwarzer. Mediale Aufmerksamkeit dürfte auch diesmal sicher sein.