Bisher gibt es in allen Bundesländern nur eine Reihe von Verwaltungsvorschriften, wie mit jungen Gefangenen umzugehen ist.
Das reicht nicht, sagten die Verfassungsrichter. Sie fordern klare Regeln für die Jugendhaft, in denen beispielsweise die Möglichkeit eines intensiven Kontaktes zu den Familien festgeschrieben wird, aber auch ein klares Resozialisierungskonzept und eine gezielte Vorbereitung auf die Haftentlassung. In Gesetzesform gebe das nicht nur den Bediensteten Rechtssicherheit, sondern auch den Gefangenen. Was in einem Gesetz fixiert ist, können sie notfalls auch einklagen. Da der Strafvollzug im föderalen System der Bundesrepublik jedoch Ländersache ist, wird es kein einheitliches Jugendstrafvollzugsgesetz für ganz Deutschland geben. Neun Bundesländer, darunter Brandenburg, Berlin, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, haben einen gemeinsamen Gesetzentwurf vorgelegt. Dieses Regelwerk, das sich ausschließlich mit der Jugendhaft befasst, soll jedoch in Details „länderspezifischen Bedürfnissen“ angepasst werden.
Sachsen geht, so wie Bayern, einen anderen Weg. Im Freistaat wird es kein eigenständiges Jugendstrafvollzugsgesetz geben, sondern ein neues Gesetz für den Strafvollzug insgesamt, in dem dann neben den Regelungen für Erwachsene spezielle Abschnitte für die Inhaftierung von Jugendlichen und Heranwachsenden vorgesehen sind.
Ein zentraler Gedanke in allen Gesetzentwürfen ist die nächtliche Unterbringung junger Gefangener möglichst in Einzelzellen. Der Mord an einem jungen Gefangenen in der Haftanstalt Siegburg (Nordrhein-Westfalen) im November 2006 hat den Blick der Öffentlichkeit auf Gewalt und Misshandlungen unter Gefangenen gerade in Verwahrräumen mit mehreren Insassen gelenkt.