Bei den Friedensgesprächen für den Südsudan ist völlig unklar, ob sich Regierung und Rebellen kurz vor Ablauf eines Ultimatums an diesem Montag doch noch einigen. Am Freitag hatte ein Minister gesagt, die Gespräche seien vorerst geplatzt. Am Samstag folgte ein Dementi von Regierungssprecher Michael Makuei. "Es ist bedauerlich, dass einige Gruppen die Lüge verbreiten, die Regierung Südsudans habe sich von den Verhandlungen zurückgezogen", sagte Makuei vor Journalisten in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Dies sei "unverantwortlich".

Die Konfliktparteien sollen auf Druck der Ostafrikanischen Staatengemeinschaft Igad bis zum heutigen Montag einen Friedensplan unterzeichnen, der die Aufteilung der Macht regelt. Andernfalls drohen Sanktionen, darunter ein Waffenembargo, Einreiseverbote und Kontensperrungen.

Der erst 2011 unabhängig gewordene Südsudan versinkt in blutiger, größtenteils ethnisch motivierter Gewalt, seit im Dezember 2013 ein Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und seinem Ex-Vize Riek Machar eskalierte. Beide Politiker gehören unterschiedlichen Volksgruppen an. Seit fast 20 Monaten versuchen beide Seiten, unter Vermittlung von Igad Lösungen zu finden. Allerdings brachen sie alle bisherigen Vereinbarungen und Waffenruhen schon nach kurzer Zeit.

Beiden Kontrahenten wird unterstellt, dass sie um ihre Machtposition fürchten. Mehrere Rebellen-Generäle hatten vor wenigen Tagen mitgeteilt, sie hätten das Vertrauen in Machar verloren. Ein politischer Kommentator in der südsudanesischen Hauptstadt Juba sagte am Samstag andererseits, Präsident Kiir habe Angst, Macht zu verlieren. "Eine Unterzeichnung würde für ihn bedeuten, weniger Einfluss zu haben", so James Okuk. Viele wichtige Posten in der Regierung würden dem Plan zufolge künftig von Vertretern der Rebellen besetzt.

Trotz Ölreichtums bleibt der Südsudan damit ein Krisenstaat. Die meisten Menschen leben in bitterer Armut; die Analphabetenrate ist sehr hoch. Das ostafrikanische Land ist fast doppelt so groß wie Deutschland, hat aber nur schätzungsweise zehn bis zwölf Millionen Einwohner. Es grenzt an Äthiopien, Kenia, Uganda, Kongo, die Zentralafrikanische Republik und den Sudan. Die Bevölkerung gliedert sich in viele Ethnien wie die Dinka, Nuer oder Murle, die teilweise verfeindet sind.